Donnerstag, 14. Oktober 2010

1. Festschrift Gotteshütte mit vier Bildern

Dies ist die Geschichte der Gotteshütte in Kleinenbremen von 1853 bis 1953. Sie war mein Zuhause und meine Welt. Schmerz- und leidvoll empfand ich dort die Zeit. Aber es gab auch das Gefühl  der Geborgen- und Zufriedenheit von 1953 bis 1958, als ich dort untergebracht war, in diesem kleinen Kosmos, so wie ich es in meinem späteren Leben niemals mehr erfahren habe.


 Abschrift von der Originalkopie


Luftaufnahme der Gotteshütte (Quelle und Jahr unbekannt)

100 Jahre Gotteshütte

1853 – 1953


Festschrift 
zum
100JÄhrigen


JAHRESFEST DER „GOTTESHÜTTE“
Erziehungsheim in Kleinenbremen
(Kreis Minden in Westfalen) 
    am  2. August 1953 

Bild 1 (Titelbild)
Bild 2 (Gesamtbild der Gotteshütte)



"Danket dem Herrn, denn er ist freundlich, und seine Gnade währet ewiglich."
Psalm 106,1
Unweit der großen Straße, die von Minden nach Rinteln führt, am Nordhang des waldbedeckten Wesergebirges, liegt das Erziehungsheim „Gotteshütte“. Dort, am äußersten Rande von Westfalen, dicht an der Grenze des Bückeburger Landes, führt es im Verborgenen und vielen unbekannt, sein Dasein. 


Nun ist das Heim durch die bewahrende Güte unseres Gottes hundert Jahre alt geworden. Da können wir nicht anders, als einmal aus der Abgelegenheit und Stille an eine breite Öffentlichkeit hervortreten. Wir haben viel erfahren in den hinter uns liegenden Jahren und haben viel zu erzählen von frohem Leben und Wachsen, von ernsten Bedrängnisse und gnädiger Hilfe. Wir haben viel zu danken in der Gemeinde!

Darum, wenden wir uns heute mit diesem Büchlein an die Christenheit in der Nähe und Ferne. Wir grüßen unsre Freunde und bitten: Nehmt Anteil an der dankbaren Freude, die uns beschert ist. Helft uns die Last zu tragen, die uns auferlegt ist mit der Sorge für unsere vielen Kinder. Sie bedürfen unsrer Hilfe, ja sie müssen untergehen im Kampf ums Dasein, wenn wir nicht für sie einstehen in der Sorge für ihre äußeren Bedürfnisse, als da sind Essen, Trinken, Kleidung und Wohnung; aber mehr noch: wir müssen einstehen für die Not ihrer Seelen, in die sie doch ohne Schuld geraten sind. Vor allem aber bitten wir: Gedenkt unsrer auch in eurer Fürbitte. Laßt uns darin zusammenstehen in herzlicher Liebe und brüderlicher Treue. Er will uns dazu gebrauchen, daß diesen Kindern geholfen werde, und es ist sein Wille, daß nicht eins von ihnen von ihnen verloren gehe.
Kleinenbremen, im Juni 1953  
  
Pastor E. Glüer.
 
Aus der Geschichte der Gotteshütte 


 „Wer ein solches Kind aufnimmt in meinem Namen, der nimmt mich auf, denn des Menschen Sohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, das verloren ist:“ Matth. 18,5 u. 11. 
Dieses Bibelwort steht als Überschrift über dem Haupteing. des Heims und will alle, die da ein- und ausgehen, an den tiefsten Sinn unserer Heimerziehungsarbeit gemahnen. 


Im Vertrauen auf die Hilfe unseres Herrn und Heilandes, der alles Verlorene sucht, wurde im Jahre 1853 ein „Rettungshaus“ für Knaben gegründet. Auch in Kleinenbremen war Johann Hinrich Wicherns Ruf zur Sorge um die gefährdete und verwahrloste Jugend gehört worden. Fromme Männer, voran Pfarrer Gößling in Kleinenbremen, andere Pfarrer aus Nachbarorten und Bauern des Dorfes konnten sich dem Hilferuf nicht verschließen und riefen mit Rat und Tat das Werk der christlichen Liebe ins Leben. Am 18.10.1853 wurde das Heim eingeweiht  - ein kleines Grundstück mit ärmlichen Kotten – und erhielt von dem Jöllenbecker Pfarrer Volkening den Namen.
„Gotteshütte“

Bild 3 (Alte Gotteshütte)

Ja, es ist eine Hütte der Menschen mit all ihren Freuden und Leiden, mit allen Sünden, bei denen aber Gott mit  Seiner Hilfe und Seiner Gnade wohnt, und darin alle - Groß und Klein – als Gotteskinder heranwachsen und  arbeiten wollen.


Drei Knaben zogen damals mit dem ersten Hausvater Christoph Schäfer ein; in gut einem Jahr waren es 30. Das zeigt die Not schon der damaligen Jugend auf und die Notwendigkeit, eine solche Anstalt zu gründen. Die Festschrift vom 75. Jubelfest erzählt, daß mancher bei dieser Gründung den Kopf geschüttelt und ihr keine zwei Jahre Lebensdauer zugesagt hat; doch es ist ganz anders gekommen.


Das Werk wuchs trotz schwerer Jahre mit viele Nöten innerer und äußerer Art. Die Leiter, Vorsitzenden, die Mitglieder des Vorstandes und Verwaltungsrates, Freunde des Hauses, die Mitarbeiter: sie alle haben bis auf den heutigen Tag oft kämpfen, ringen und opfern müssen und haben es im Sinne der Innern Mission in hochherziger Weise getan. Der Mangel an Raum verbietet es, im einzelnen auf die vielen, treuen Mitarbeiter einzugehen. Erwähnt seien aber der nun schon lange heimgegangene Leiter Kölsch, der 30 Jahre lang mit erzieherischer Begabung und Geschick an der Heimschule wirkte, sowie die Erzieherin Ottilie Seeger, die auch 30 Jahre viel Kraft und großen Fleiß für die Heimarbeit einsetzte. Doch es können hier nicht alle Namen genannt werden, denn wie Inspektor Klein in der „Geschichte der Gotteshütte“ schreibt, war Wachsen und Gedeihen nicht Menschenwerk, sondern Gottes Gnade und Christi Liebe.


Um auch weibliche Zöglinge aufnehmen zu können, wurde 1887 ein neues Haus, das heutige Pestalozzi- oder Haupthaus gebaut und mit 20 Mädchen belegt. Pfarrer Strathmann sen. aus Kleinenbremen, später Schulrat Kindermann als Leiter, sorgten und planten unter Opfer von Zeit und Kraft segensvoll für das Heim, während 25 Jahre Hausvater Kuhlmann in großem Arbeitseifer und steter Treue in der Gotteshütte wirkte. Neben äußeren Nöten wie dem Brand einer neuen Scheune gab es um die Jahrhundertwende große Sorgen um den Bestand des Heims. Die Zahl der Kinder ging erschreckend herunter, bis das Fürsorgeerziehungsgesetz  von 1900 der Gotteshütte Fürsorgezöglinge zuführte, in erster Linie aus Westfalen, aber auch aus Hessen und Schaumburg Lippe. Nun konnte und mußte wieder an- und aufgebaut werden. 


In diesen arbeitsreichen Jahren waren die Hauseltern Klein die tragende Kraft des Heims. Über 30 Jahre hat Inspektor Klein mit großem pädagogischen Verständnis und tatkräftigen Einsatz das Haus geleitet. Knaben- und Schulhaus erstanden in den folgenden Jahren. Nicht nur die Kinder brauchten Schlaf- und Aufenthaltsräume, auch Küche, Keller, Waschküche und Trockenräume mußten gebaut und vergrößert werden. Mit viel Eifer und Hilfe der großen Jungen wurde am Bergeshang ein Schwimmbecken gebaut. Noch heute ist es in heißen Sommertagen der Platz weithin hörbaren Jubels. Die Landwirtschaft dehnte sich aus, 2 stolze Pferde wurden unser Eigentum, der ans Grundstück grenzende Boekesche Hof wurde erworben Ein Erbe des Hofes, unser treuer alter „Boeken-Vater“ hat fast 4 Jahrzehnte in unermüdlichem Fleiß dem Heim 


 Bild 4 (Boeken-Vater mit seinem Enkel und dem Gespann: Fix und Max)

gedient, auch im Ruhestand an Freud und Leid des Hauses teilgenommen.

Den 100. Geburtstag der Gotteshütte durfte er leider nicht mehr mitfeiern, wir geleiteten ihn letzten Winter zur ewigen Ruhe.
In den letzten Jahren vor dem 1. Weltkrieg ging die Heimarbeit verhältnismäßig ruhig weiter mit 130 – 140 Jungen und Mädchen. Der Krieg brachte naturgemäß erhebliche Veränderungen und gewaltige Schwierigkeiten mit sich. Heute – Jahre nach dem 2. Weltkrieg – liegt das alles weit hinter uns un verliert an Bedeutung. Aber noch mehr wie im zweiten Weltkrieg gab es für die in der Heimat gebliebenen Erzieher ein Übermaß an Arbeit, ein höchstes Sparen und zuletzt doch Frieren und Hungern der Kinder wie der Erwachsenen. Damals wuchs die Belegziffer beängstigend, bis auf 200. Unser langjähriger, so treu schaffender und heute im Ruhstand noch mittragender Mitarbeiter Wilhelm Nolte kann sehr anschaulich von all den damaligen Sorgen erzählen, von klappernden Kindern in Papieranzügen, vom Steckrübenkampf u. ä. Wer wirklich Erzieher ist, dem blutet das Herz, wie einer Mutter beim Anblick der Kindernot. Aber gerade an dieser Stelle sagt die alte Festschrift: „Als die Not aufs höchste gestiegen war, war Gottes Hilfe am nächsten.“ Freundliche Gaben aus der Umgegend und vor allem aus Amerika erfreuten und stärkten. Nach der Inflation besserten sich die Verhältnisse langsam.
Wie in einer Familiengeschichte, wie in der großen Weltgeschichte ein ständiges Auf und Ab die Menschen an ihre eigene Unzulänglichkeit, dafür aber an Gottes Allmacht und Walten gemahnt, so mußte auch unsere Gotteshütte in den Jahren zwischen den beiden Kriegen noch durch manchen Tiefstand. Die Vorsitzenden in den Kriegs- und Nachkriegsjahren – Pfr. Siebold aus Schweicheln und als Nachfolger Pfr M. Strathmann, Kleinenbremen – hatten keine leichte Aufgabe und mußten viel Mühe, Überlegung und Kraft aufwenden, das Erbe der Väter aufrecht zu erhalten. Zu geringe Belegung des Heimes ließ den Vorstand versuchen, das Fortbestehen des Heims zu sichern: durch Errichtung einer Haushaltungsschule für Kriegswaisen, einer Taubstummenabteilung, Anlegung eines Hühnerhofs, und einer Fremdenpension im Harrl, Verkauf der landwirtschaftlichen Produkte, sogar durch zeitweise Aufhebung der Heimschule. Wenn diese Maßnahmen auch nicht grundlegend halfen, so konnte das Heim doch wieder erstarken, vor allem durch größere Kredite der Stadtsparkasse in Bückeburg und später durch eine großzügige finanzielle Hilfe des Herrn Landeshauptmanns in Münster. Die Gotteshütte brauchte ihre Tore nicht zu schließen.
Das Schiff durch Sturm und Wellen in echtem Gottvertrauen und mit weiser Führung gelenkt zu haben, ist in besonderer Weise das Verdienst von Pfarrer Hermann Heidkämper aus Bückeburg, erst Schatzmeister, dann lange Jahre bis ins hohe Alter Vorsitzender der Gotteshütte. Anfang 1933 wurde die Leitung des Heims in die Hände einer Diakonisse vom Henriettenstift Hannover gelegt. Schwester Mathilde Mirow stellte ihre ganze körperliche und seelische Kraft, dazu ihre reiche Berufserfahrung in den Dienst an den Kindern, gedrungen durch die Liebe zu Christus, der das Verlorene sucht. Aber gerade dieser tiefste Beweggrund zur Arbeit in der Inneren Mission, ließ für uns wie für viele andere konfessionelle Heime nach 1933 bittere Anfeindungen erwachsen. Fast schien die gesamte Arbeit zu Ende, da brach der zweite Weltkrieg aus. Die Gotteshütte, im Osten der Provinz und auf dem Lande weniger gefährdet als andere Heime, wurde schnell wieder stärker belegt. Die Existenz des Werkes war gerettet, aber wieder kamen die bangen Nöte um Ernährung, Bekleidung, Heizung u. a.m. Dazu die unruhigen Nächte! Im letzten Kriegsjahr ging´s doch fast jede Nacht mit allem - Groß und Klein – in den Keller, oft mehrmals. Das bitter-ernste Kellerleben entbehrte nicht mancher Komik: vergessene Schnarcher in irgend einem Winkel des Luftschutzkellers, überschlafene Sirenen, Nachtwachen mit hitzigen Brettspiel-Schlachten.


Bild 5 (Die Kleinsten der Mädchengruppe) 

Kurz vor dem Kriege war die Belegung des Heims vom Landesjugendamt Münster neu geregelt worden: die großen Jungen zogen schweren Herzens westwärts; kleines Kindervolk zog dafür mit Lachen und Weinen ein. Die Gotteshütte nimmt seit dem ein gut Teil Kleinkinder auf, und zwar Mädchen, dazu Jungen bis zu etwa 10 Jahren und Mädchen bis 19 bzw. 21 Jahren. Die vorschulpflichtigen Kinder bringen gewiß viel Freude ins Haus, machen aber auch erheblich mehr Arbeit, besonders in Kriegszeiten. Trotz Alarm und Tieffliegern mußte der Tageslauf innegehalten, mühsam das notwendigste herangeholt werden, mußten die Kinder zur Schule gehen und beschäftigt werden. Für die Mithilfe bei den Kleinen und in der Landwirtschaft konnten wir unsere schulentlassenen Mädchen heranziehen. Das ehemalige Lehrerhaus wurde als „Fliednerhaus“ eingerichtet, im Kriege wahrlich kein Beginnen ohne Kopfzerbrechen. 


Zum 90. Jahresfest erhielten die alten Häuser neue Namen, zu Ehren großer Erzieher: Das Knabenhaus wurde ein „Fröbelhaus“, 


Bild 6 (Fliednerhaus) 

das Mädchenhaus zum „Wichernhaus“ und das Haupthaus das „Pestalozzihaus“. 


Die Erzieherschaft schmolz im Kriege wesentlich zusammen, war dafür aber ziemlich beständig. Notzeiten schließen enger aneinander. 


Ein Wort des ehrenden Gedenkens sei unseren beiden Mitarbeitern: Bruder Siemens und Schneider Schewe gewidmet, die nach jahrelanger treuer Arbeit im Heim zum Heeresdienst eingezogen wurden und beide draußen ihr Leben für das Vaterland dahingaben.
Im sonnigen Frühjahr 1945 kam uns der Krieg bis auf den Hof gerückt; es gab bange Stunden, viele Tage die ganze Belegschaft einschließlich einer Reihe Flüchtlinge in den Kellerräumen lebend. Das Wichernhaus wurde vorübergehend ein Lazarett. Am 7. April 1945 zogen die Amerikaner kämpfend in unser Dorf ein. In diesen Tagen wie in den ganzen Kriegsjahren wurde die Gottehütte samt allen Insassen in wunderbarer Weise behütet, wurde allen die nötige Kraft und Ruhe geschenkt. Wir konnten und können immer wieder aus tiefstem Herzen danken und lobsingen dem Gott, der alle Wunder tut.


„Größer als der Helfer ist die Not ja nicht!“

Langsam trat Ruhe nach dem Sturm ein: die Besatzungstruppen zeigten Verständnis für unsere Arbeit, wir blieben bis auf kurzfristige Besetzung des Fliednerhauses von Requisitionen verschont. Die Heimschule durfte – wenn auch in beschränkten Rahmen – gleich wieder den Unterricht aufnehmen. Einigen ausgebombten Schwestern und Alten durfte das Heim eine Zuflucht und trotz des Kindertrubels eine geliebte Heimstätte werden. Großen Kummer und tiefe Trauer brachte uns der Unglücksfall von zwei kleinen Schuljungen, die beim Spielen mit Handgranaten im Wald tödlich verletzt wurden, Opfer des entsetzlichen Krieges! Doch müssen wir wiederum vielen Dank sagen, das wir ca. 6 Jahre, in denen die ärztliche Betreuung im Heim immer seltener wurde, von wesentlichen Krankheitsfällen und Epidemien verschont blieben. Nur gelegentliche Fahrten zum Arzt und Krankenhaus nach Bückeburg, Minden, sogar bis Oenhausen wurden – oft bei Alarm - ausgeführt. Die Durchführung der Transporte und die notwendige Instandhaltung der Gebäude, die Beschaffung von Lebensmitteln, Kleidung, Bettwäsche und Möbeln blieben äußerst schwierig und zeitraubend bis zur Währungsreform. Wir hatten ja nichts zum“Kompensieren“. 3 Paar köstliche Schuhbänder für die Kinder für 1ne Raucherkarte, welch große Eroberung! Wer sollte der glückliche Empfänger sein? Dann kam das glänzend neue Geld in wohlgeordneten Päckchen, für den umfangreichen Betrieb jedoch recht spärlich, und es ging uns wie jeder kleinen Familie: alles gab´s, aber die plötzliche Armut zwang zu strenger Sparsamkeit, Überlegung und Berechnung. Und doch konnte allmählich manches gebaut, verbessert, ersetzt werden. So wurde die uns im Kriege zwangsweise auf unser Grundstück gebaute Baracke zum „Oberlinhaus“ für 20 Schulmädchen zu kleinen Wohnungen für einige Flüchtlingsfamilien eingerichtet. 


Neue Kessel für Küche und Waschküche, ein zweiter Heizungskessel waren Großanschaffungen neben vielen kleinen. Die neuangelegte Kanalisation, die Neustellung vieler Räume, Anschaffung von Betten und Matratzen verschlangen jährlich große Summen. 1952 wurde der dringend notwendige und lange geplante Bau einer neuen und größeren Scheune begonnen und vollendet, wenn auch unter mancherlei Schwierigkeiten. 


Der Mitarbeiterkreis hat sich nach dem Krieg erweitet, ein alter Stamm blieb, dazu kamen neue, auch viel jüngere Kräfte. Das bedeutet eine Neubelebung in der Erziehung, erfordert aber durch den häufigen Wechsel von Seiten der Kinder wie der Erzieherinnen den Willen zum Umstellen, Einarbeiten und Einfühlen.
Wegen seines Alters und aus Gesundheitsrücksichten trat Pastor Heidkämper als Vorsitzender zurück, blieb aber bis zu seinem Tode 1949 Ehrenmitglied des Vorstandes. Seinen 80. Geburtstag konnten wir in der Gottehütte feierlich begehen und an diesem Tage


Bild 7 (Oberlinhaus) 

ihm Dank sagen für seine langjährige, verständnisvolle und hingebende Arbeit an diesem Erzieherwerk. Für einige Jahre – während seines Aufenthaltes in Minden – übernahm der Bischof von Schlesien, D. Zänker, in dankenswerter Weise diese aufopferungsvolle Arbeit. Nach seinem Fortzug erklärte sich der Ortspfarrer von Dankersen, Pastor Glüer, bereit, das Amt des Vorsitzenden zu übernehmen und ihm neben seiner Gemeindearbeit Kraft und Zeit in großer Einsatzbereitschaft zu widmen.
So reihte sich Jahr an Jahr. Im Laufe der 100 Jahre sind rund 3500 Kinder und Jugendliche für kurze oder längere Zeit Einwohner der Gottehütte gewesen. Zahlen sind kalt aber dahinter steht warmes Leben, oft allzu stürmisches Leben, das den Erziehern viel Freude, viel Kummer, manch kleinen Erfolg und manch große Enttäuschung gebracht hat. 


Die Erziehungsarbeit erstreckt sich jetzt bis auf durchschnittlich 180 bis 190 Schützlinge im Heim, davon 40 – 50 vorschulpflichtige Jungen und Mädchen, 100 – 120 Schulkinder und 30 – 35 schulentlassene Mädchen. Etwa 130 Kinder sind in Pflege- und Arbeitsstellen in der näheren und weiteren Umgebung untergebracht. Betreut werden vor allem Fürsorgezöglinge von Westfalen, gelegentlich solche aus Schaumburg-Lippe und Lippe-Detmold, Jugendamtschützlinge und vorübergehend Privatkinder. Neu ist seit einigen Jahren die gesetzlich noch nicht einheitlich geregelte „Freiwillige Erziehungshilfe“, deren Durchführung wie die Fürsorgeerziehung dem Landesjugendamt obliegt. Sie wird nicht durch vormundschaftsgerichtliche


Bild 8 (Auf dem Hof der Gotteshütte) 

Maßnahmen angeordnet, sondern im Einvernehmen mit den Eltern der Kinder bzw. dem Inhaber des Personenrechts in die Wege geleitet.
An dieser Stelle möchten wir großen Dank sagen unserer Fürsorge-Erziehungs-Behörde, dem Landesjugendamt Münster, das uns während der langen Jahre des Zusammenarbeitens stetes Wohlwollen und Verständnis zeigte und oftmalige Hilfe zuteil werden ließ. 


In der Heimschule werden die Schulkinder in 4 Klassen von 3 Lehrerinnen im Rahmen des Volksschulplanes unterrichtet; die Aufsicht hat der Schulrat des Kreises Minden-Land. Die schulentlassenen Mädchen erhalten Berufsschulunterricht im Heim. Seit 1946 betreut der praktische Arzt des Dorfes das Heim in gewissenhafter und einsatzbereiter Weise; regelmäßige Reihenuntersuchungen durch ihn und ebenso den Zahnarzt von Kleinenbremen gewähren eine Übersicht über den Gesundheitszustand und die etwa erforderliche Behandlung der Kinder.


Bleibt auch noch mancher Wunsch für innere und äußere Dinge des Heimlebens übrig, so wollen wir doch alle fröhlich und tief dankbar sein für die bisherige Führung durch die 100 Jahre des Bestehens der Gotteshütte. Mit wahrem Gottvertrauen legen wir die Zukunft dieses Werkes der Inneren Mission in die Hände des Allwaltenden. Die Jahrslosung 1953 sei auch die Losung der Gotteshütte für das zweite Jahrhundert: 
„Werfet euer Vertrauen nicht weg, welches eine große Belohnung hat“ Hebr. 10,35.

Erziehungsarbeit im Heim

Nach dem Gesetz hat jedes Kind ein Recht auf Erziehung, deren Ausübung naturgemäß Pflicht der Eltern ist. Erziehung ist nach Fröbel die Gärtnerarbeit an den jungen, zarten Menschenpflanzen, das Hegen, Pflegen, Stützen und Beschneiden: eine edle, anerkennenswerte Aufgabe. Dieselbe hohe Aufgabe hat sich ein Heim in Vertretung der Eltern oder anderer Erziehungsberechtigten gestellt. Das Heim will Kindern und Jugendlichen zu ihrem Recht verhelfen, will retten, wo junge Menschenpflanzen drohen verloren  zugehen. So nannten sich die Heime zunächst „Rettungshäuser“. Der gute Name wurde altmodisch, und das folgende Wort „Erziehungsheim“ hat aber leider und ungerechterweise einen bitteren Beigeschmack bekommen. Vor allen Heimkindern und den Angehörigen klingt daraus etwas von Strafe und Zwang. Dabei will das Heim doch nur Gärtnerarbeit verrichten. Ebenso ist es mit dem Wort „Fürsorgeerziehung“, dessen Makel in aller Öffentlichkeit kaum noch zu beseitigen ist. „Sorgen für“ einen Mitmenschen, für sein körperliches, geistiges und seelisches Wachstum ist wohl fraglos ein hohes, erstrebenswertes Ziel. Möchten doch alle: die im Heim erzogen werden ,die erziehen, die ein Heim besuchen oder besichtigen, die Minderjährige der Heimerziehung überweisen oder ins Heim bringen und alle Leser dieser Festschrift die Heimerziehungsarbeit unter diesen Gesichtpunkt betrachten!
Welche Kinder kommen ins Heim? Wir sprechen von objektiver und subjektiver Verwahrlosung bzw. drohender Verwahrlosung. Zu allen Zeiten, besonders nach langjährigen und wie den letzten zutiefst zerstörenden Kriegen gab es Kinder, denen die natürliche Familiengemeinschaft von Vater, Mutter, vielleicht auch den Geschwistern fehlt: durch Tod eines Elternteiles, fehlende oder unzureichende Wohnungsmöglichkeit, durch Getrenntleben oder sogar Scheidung der Eltern. Die vielen unehelichen Kinder haben keinen Vater, sondern nur einen Erzeuger; so fällt die väterliche Erziehung fort, die mütterliche ist durch die Arbeit der Mutter meist stark eingeschränkt. Und viele andere Gründe, die nicht alle angeführt werden sollen, tragen mit oder ohne Schuld der verantwortlichen Mitmenschen zur Zerstörung der Familie bei. Zunächst wird man versuchen, das Kind aus solcher gefährdenden Umwelt in einer anderen intakten Familie der Verwandtschaft, Nachbarschaft oder als Pflegekind in fremder Familie unterzubringen. Oft fehlt aber eine entsprechend geeignete Stelle, oder die bereits eingetretene Verwahrlosung des Jugendlichen macht Schwierigkeiten. Dann bleibt für´s erste nur die Heimunterbringung. Ein anderes Beispiel, wie es hier im Heim während des Krieges geschah: Eine Mutter brachte ihr Kleinkind zum vorübergehenden Aufenthalt ins Heim, - weil sie nach anschaulicher Darstellung – für die Beerdigung der durch Bomben umgekommenen Angehörigen sorgen mußte. Sie holte ihr Kind nicht wieder ab; die angeführten Gründe erwiesen sich restlos als Lüge, die Mutter wollte ihr Kind los sein. Armes Kind! Aber doch nicht arm, weil es ins Heim kam, sondern weil es so eine verantwortungslose und unnatürliche Mutter hatte. Bei der subjektiven Verwahrlosung handelt es sich meist um ältere Schulkinder und Jugendliche, die oft durch ungünstige Anlagen, schlechte Beeinflussung, oft durch Kriegs- und fluchtbedingte Erziehungsmängel erhebliche Schwierigkeiten machen, ihre Mitwelt gefährden oder schon mit dem Gesetz in Konflikt gekommen sind. 


Die Einweisung ins Heim soll aber keineswegs eine Strafe bedeuten, sondern die Erziehung im Heim soll ihnen den Weg weisen, ordentliche Menschen und nützliche Mitglieder der Gemeinschaft zu werden und als solche in die Familie und das freie Leben zurückzukehren. Entsprechend den verschiedenen Gründen werden die Minderjährigen auf Grund der Fürsorgepflichtverordnung von den zuständigen Jugendämtern oder nach Gerichtsbeschluß zur Fürsorgeerziehung (§ 63 RJWG) vom Landesjugendamt oder im Wege der Freiwilligen Erziehungshilfe, ebenfalls vom Landesjugendamt eingewiesen. Diese letzte, neuere Maßnahme will bei dem Sorgeberechtigten Verständnis wecken und Einwilligung erreichen und dadurch den Charakter des Zwangs vermeiden. Das gelingt noch nicht immer, bringt auch für das Heim mancherlei Schwierigkeiten mit sich, z. B. durch das Zusammenleben mit den anderen FE-Zöglingen und dem vermehrten Wechsel der Kinder. Es ist jedoch  zu hoffen, daß diese Neugestaltung sich mit der Zeit noch besser regelt und in weiteren Kreisen Einsicht und Verstehen erreicht. 


Was ist das Ziel unserer Heimerziehung? Zunächst wollen wir den Kindern die fehlende Familienerziehung möglichst natürlich ersetzen. Dabei dar man nicht vergessen, daß es nirgends vollwertigen „Ersatz“ gibt, auch nicht in der Pädagogik. Aber wir bemühen uns, den kleinen und großen Menschen ein Zuhause zu schaffen, in dem sie behütet, gepflegt und geleitet zu tüchtigen Persönlichkeiten heranwachsen, die später selbständig im Leben stehen, ihren Lebensunterhalt verdienen können und die gestärkt den äußeren, besonders aber den inneren Gefahren des Lebens gewachsen sind. Sie sollen lernen, ihre oft schwierigen Anlagen und Neigungen zu bekämpfen und beherrschen, wie es jeder Mensch muß. Sie sollen aber auch wissen, daß sie mit all ihren äußeren und inneren Nöten nicht allein stehen, sondern im Heim helfende Hände, und zu ihrem Besten ratende, mitfühlende Seelen finden. Wir wünschen so herzlich, daß diese Kinder einmal aufrechte Menschen und Träger gesunder Familien werden. Das alles ist aber nicht das letzte Ziel, sondern als Erzieher im christlichen Heim ist uns unsere Aufgabe von Gott gestellt; wir wollen nur Arbeiter in Gottes Weinberg sein. Joh. Hinr. Wichern, der Vater der Inneren Mission und Begründer des „Rauhen Hauses“, des ersten Erziehungsheims, hat das Ziel der evangelischen Erziehung in folgenden Worten klar ausgesprochen: 
„Jesus Christus ist der lebendige Mittelpunkt unserer Arbeit, und das höchste Ziel bleibt, durch alles die Gemüter unserer Kinder zu diesem Retter aus Schuld und Sünde hinzuführen“
Drum wollen wir uns alle mit unserer Arbeit , Kinder und Erwachsene, als verlorene Sünder und doch begnadete Gotteskinder unserem Heiland anvertrauen.


Fragt uns jemand nach den Wegen zu den eben angeführten Zielen, so lassen sie sich schwer aufzählen. Das neu aufgenommene Kind wird in eine Gruppe versetzt. Das Einleben und eingewöhnen geht meist verhältnismäßig leicht, bei solchen, die schon aus dem Aufnahmeheim kommen, natürlich schneller. Unsere Kinder sind in fünf Häusern, nach Alter und Geschlecht getrennt, untergebracht. Sie werden dort wieder in kleinere Gruppen von 10 – 20 Jungen oder Mädchen unterteilt. Diese Aufteilung ist zwar nicht familienmäßig, aber in unserem Heim als am praktischsten erkannt. Bei Spielen draußen, bei der Andacht oder bei Feiern kommen gelegentlich alle Kinder zusammen. Da staunen oft Außenstehende über Ruhe und Disziplin; das ist kein Drill, sondern einfache Gewöhnung. Selbstverständlich muß auch öfters ein energisch, gehorsamheischendes Wort fallen. Absolute Ordnung muß gefordert werden, nicht nur, weile es ohne solche im Heim bald drunter und drüber gehen würde, sondern weil äußere Ordnung im Leben die erste Voraussetzung für die notwendige innere Ordnung des erwachsenen Menschen ist. Konsequenz, auch in den kleinsten Erziehungsfragen ist Bedingung, denn gerade daran hat es oft in der früheren Umgebung der Jugendlichen gefehlt. Daneben gibt es für jedes Kind besondere Erziehungsmöglichkeiten: bei dem einen versucht man durch Ansporn, Übertragung kleiner Ämter und Aufgaben das noch wenig entwickelte oder sogar verletzte Selbstvertrauen zu wecken und zu heben; bei einem anderen gilt es, das überbetonte Selbstbewußtsein, vielleicht Überheblichkeit und Selbstsucht, durch Unterordnung und Einfügung in die Gruppe, durch Mithilfe bei den Kleineren zu dämpfen und in rechte Bahnen zu leiten. Der Tageslauf im Heim mit Schule und Arbeit, mit Spiel und Beschäftigung bietet dazu verschiedene Möglichkeiten. Lob und Tadel, Belohnung und Strafe, haben gerade wie in der elterlichen Wohnung ihre Wirkung. Teilnahme an einer kleinen Feier, Wanderung, einem Lichtbildernachmittag oder Singabend bzw. auch einmal – wenn nötig – Ausschluß davon, sind oft recht wirksame Erziehungshilfen. Die Schulentlassenen Mädchen erhalten wöchentlich ein bescheidenes Taschengeld als Prämie für gute Führung und Fleiß. Wie begehrt ist dieses Geld für die Erfüllung eines besonderen Wunsches: Kauf einer Handarbeit, ein Kino- oder Theaterbesuch in Dorf oder Stadt! Wir wollen unsere Kinder nicht von der Außenwelt abschließen, sondern nach Möglichkeit sich im öffentlichen Leben bewähren lassen. So schicken wir ständig zuverlässig erscheinende Kinder zu Besorgungen und Bestellungen nach Kleinenbremen und nach Bückeburg und können ehrlich sagen, daß wir dabei nur selten Enttäuschungen erleben.


All diese Wege der Erziehung sind nur menschliche Hilfestellung. Gemäß dem höheren Ziel des Christen bleibt uns nur die Möglichkeit, unsere Kinder fürbittend in Gottes Obhut zu stellen, sie durch Verkündigung zum Heiland zu führen. Darum das fröhliche Singen, die Morgen- und Abendgebete, die gemeinsamen Andachten! Die größeren Kinder besuchen den Gottesdienst im Dorf, die Kleineren haben im Heim Kindergottesdienst. Gelegentlich findet im Rahmen der Andacht eine Taufe statt; im feierlich-stillen Beisein aller Kinder und unter ihrem frischen Gesang werden einige der ihren als Gotteskinder in die christliche Gemeinde aufgenommen.


Wenn ein kleines oder schulpflichtiges Kind erzieherisch keine allzu großen Schwierigkeiten macht, körperlich gesund und den schulpflichtigen Anforderungen einigermaßen gewachsen ist, vermitteln wir es in eine Familienpflegestelle. Selbstverständlich wird die Familie vorher besucht, um sie kennenzulernen und die gegenseitige Anpassungswahrscheinlichkeit zu prüfen. Das ist nicht immer ganz leicht. Wir erleben jedoch gerade in den z. Z. etwa 60 Pflegestellen viel Freude. Durchweg wachsen die Kleinen dort wie in einer eigenen Familie auf, passen sich dem freien Leben besser an und behalten sehr oft an dem pflegeelterlichen Heim auch später ein Zuhause. Die großen Mädchen werden nach der Schulentlassung meist erst im Heim ein halbes bis ein Jahr hauswirtschaftlich angelernt und dann auf Dienstvertrag in ein Arbeitsverhältnis zum Bauern oder in einen Haushalt gegeben. Sie verdienen entsprechend ihren Leistungen Tariflohn, den sie allerdings nicht restlos zur eigenen Verfügung erhalten, sondern nur einen Teil als Taschengeld. Der Lohn wird im Einvernehmen mit dem Dienstgeber zu Anschaffungen verwendet, vom Heim abgerechnet und die Ersparnisse für jedes Mädchen auf ein eigenes Sparkonto eingezahlt. Alle Pflege- und Dienststellen, letztere auch etwa 60 – 70, werden halbjährlich von einer Heimfürsorgerin besucht. Die Kinder selbst kommen je nach Entfernung öfter oder seltener am Sonntag zu Besuch ins Heim. Die auswärtigen Schützlinge unterstehen außerdem der Betreuung durch die örtlichen Jugendämter. Die Indienstgabe eines Mädchens ist ein sehr zu überlegendes Problem und führt trotzdem leider häufig zu Mißerfolgen, zu Rückführungen ins Heim. Wir können auch bei vollem Verständnis für Freiheitsdrang, Sehnsucht nach Abwechslung und Vergnügen nicht dulden, daß die Mädchen allzu selbständig ausgehen und schlecht beleumdete Freundschaften schließen; dazu sind die Gefahren gerade für 15 – 20jährige Mädchen, heute zu groß. Sie sind dem Heim anvertraut, und der Schade an Leib und Seele ist leider nachher oft nicht mehr zu heilen. So bleibt dieser Teil der Heimarbeit wohl immer der aufreibendste. 


Die Arbeit im Heim selbst birgt auch vielerlei Nöte in sich. Die große Masse, wenn auch in Gruppen unterteilt, ist für manches nervöse, schüchterne oder leicht reizbare Kind eine starke Belastung, für die betreffenden Erzieherinnen ebenfalls. Die stete Aufsicht macht die Kinder manchmal unselbständig, auf der Straße z. B. unvorsichtig. Auch die beste und einsatzbereiteste Erzieherin kann nicht so individuell auf jedes Kind eingehen, wie es eine Mutter kann. Da wird vielleicht der „Ersatz“ am deutlichsten spürbar. Demgegenüber steht die leichtere und unmerklichere Gewöhnung an Zucht, Pünktlichkeit und Ordnung in der Gemeinschaft, an Arbeitslust durch das Beispiel der anderen. Die Heimschule kann durch geringere Klassenschülerzahl, größere Wendigkeit im Schulplan gegenüber dem fester gezeichneten Rahmen der öffentlichen Volksschule, durch Überwachung von Hausaufgaben, vor allem aber durchs nähere Kennenlernen von Lehrerin und Schülern und dem daraus entspringenden Vertrauensverhältnis die Kinder eher fördern und häufig Schulversäumnisse aufholen. Wie manches in der öffentlichen Schule zurückgestoßene, unwillige Kind konnte in der Heimschule sein Selbstvertrauen zurückgewinnen und bald bessere Leistungen aufweisen. Minderbegabte Kinder werden, je nach Bedarf, in Förderklassen zusammengefaßt oder auf Rat des Psychiaters in ein Heim mit Hilfsschul- oder Heilerziehungsabteilung verlegt. Nach Möglichkeit wollen wir jedem Kind mit seinen Anlagen und Gaben gerecht werden. 


Wir wollen aber nicht vergessen, daß auch Erzieherinnen Menschen sind, mit Schwächen und Fehlern, mit Nerven und Stimmungen. Gibt es grundsätzlich heute genügend Arbeitskräfte, an willigen und fähigen Mitarbeitern für ein Heim ist leider oft Mangel, was wiederum zur weiteren Belastung der Heimerzieherinnen führt. Wir wollen uns aber nicht entschuldigen, sondern vor Gott stehen wir neben unsern Kindern wie es beim hl. Abendmahl zum Ausdruck kommt, und bitten um Vergebung und Kraft zum schweren Werk. Wir können darum auch nicht um des Erfolges willen schaffen; der Erfolg ist gerade in dieser Arbeit selten abzuwarten oder etwa statistisch zu erfassen. Wir säen Hoffnung.


Ein Wiedersehen oder Besuch von ehemaligen Schützlingen des Heims, die, wie es manchmal geschieht, Gatten und Kinder mitbringen, um ihnen den Ort der Kindheit zu zeigen, an den sie sich gern erinnern, oder die Anfrage eines entlassenen Kindes, ob es nochmal zum Jahresfest kommen, seinen Urlaub im Heim verleben darf, das sind schon Freuden und Aufmunterung zur weiteren Arbeit für langjährige Heimleute.


Kummer macht uns häufig das mangelnde Verständnis der Öffentlichkeit, die Ansicht - auch bei Behörden - , als wollten wir mit aller Gewalt Kinder ins Heim holen bzw. sie darin behalten, ihnen nicht die genügende Freiheit als Individuum gewähren. Im Gegenteil: Wir freuen uns jedesmal und wünschen ein langes Aushalten, wenn ein Kind für Familienpflege oder Dienststelle angesteuert wird und fröhlich – begreiflicherweise auch öfter etwas ängstlich – davon zieht.


Was die besonderen Nachteile und Vorzüge der Gotteshütte anbetrifft, so ist das Heim 100 Jahre alt, infolgedessen oftmals verbessert, verändert, an- und umgebaut, wie die Geschichte der Gotteshütte berichtet. So kann es nicht überall modern aussehen, mit neuzeitlichen Möbeln, kleinen Schlafräumen und Einzelzimmern für die größeren Mädchen, mit unzähligen Waschbecken unter fließendem Wasser und ähnlichem mehr. Aber ist in einer guten Familie bei den heutigen Wohnverhältnissen alles ideal, fortschrittlich, hygienisch  einwandfrei? Wohl kaum! Sollen wir also unsere Kinder nicht zu Sparsamkeit, praktischem Einrichten erziehen und zu der Einsicht, daß unser Leben höhere Werte hat als Geld und Gut? Ein Vorzug unserer Gotteshütte ist die herrliche Lage am Wesergebirge, desgl. die Verbindung mit dem Land, Versorgung durch die eigene Landwirtschaft, viel Platz und frische Luft in Hof und Garten, im nahen Wald. Und das die Gotteshütte 100 Jahre alt ist, darauf sind wir stolz.


Möchten alle Freunde des Hauses diese Arbeit der Inneren Mission fürbittend und helfend unterstützen!
Der Tagesablauf im Heim

Vom Frühjahr an sind die gefiederten Sänger im Garten und den Bäumen des Hofes, der Kuckuck im Weserwald die ersten Wecker. Aber ebenso sind die 2 – 3 jährigen Jungen im „Fröbelhaus“, und auf der „Kleinen Station“ die jüngsten Mädchen, bei Tagesanbruch schnell lebendig, nicht immer zur Freude der Erzieherinnen, denn rasch ist im Schlafsaal ein Gesumm wie im Bienenhaus. Inzwischen hat in der Küche schon die Arbeit begonnen; der große Kessel mit Milchsuppe für alle Kinder muß in Gang kommen; und wo täglich 900 Brotschnitten gestrichen werden, muß die Brotmaschine schon beizeiten ihr Werk beginnen. Da auch Kühe Frühaufsteher sind, müssen die jeweiligen Stallmädchen pünktlich aus dem Bett, im Winter die Heizungsleute dazu. So hört man auf dem Hof bald das Klappern der Milcheimer, der Aschentonnen und die ersten Schwätzchen. Auch in den anderen Häusern regt sich´s. Eine Gruppe hat vielleicht „Bettenbeziehen“ und schleppt schon Decken und Matratzen auf Balkon oder Hof. Ist etwa grade Kartoffelernte, stampfen schon Liese und Lotte – unser stolzes Pferdegespann – mit den Hufen, und flink fährt der Wagen mit singenden Mädchen aufs Feld. Überall helfen große und kleine emsige Hände beim Tischdecken und Essen-Austeilen. Punkt ½8 Uhr wird die große Glocke zum ersten Mal geläutet, ein Amt, zu dem sich jedes Kind drängt. Ein frisches Morgenlied, für die größeren Kinder wie die Erwachsenen, eine kurze Morgenandacht stellt alle für den neuen Tag unter Gottes Wort und seinen Schutz. Dann wird fleißig gelöffelt. Zucht und Ordnung müssen sein, in der großen Gemeinschaft wie in jeder Familie; wer ein willensstarker und selbstbewußter Mensch werden will, muß es früh üben. So soll jeder Teller säuberlich leer werden, gelegentlich auch mal mühsam unter Tränen. Die schulentlassenen Mädchen verteilen sich dann auf die verschieden Stationen. Da hat´s die Küche schon wieder entsetzlich eilig mit der Kocherei; es ist keine leichte Aufgabe, für über 200 Menschen jede Mahlzeit gut und pünktlich auf dem Tisch zu haben. Die Landmädchen wandern mit ihren Geräten in den Garten oder aufs Feld, und mancher Schweißtropfen düngt dabei die fruchtbare Rote Erde. In der Waschküche wartet schon die Arbeit, hat das Heim doch jede Woche große Wäsche. Ein Glück, wenn die Sonne lacht, und die Waschküchenmädchen können auch lachend ihre großen Körbe auf die Bleiche bringen, statt mühevoll auf die Trockenböden; an vielen Tagen muß stundenlang fleißig geplättet werden – wer wollte sonst wohl nächste Woche ohne Kleid oder Hemd gehen? In allen Häusern kommen Besen, Wischeimer, Schrubber und Scheuerbürsten in Bewegung, manchmal fließen wirklich kleine Weserflüsse daher. Der Eifer ist vielfach groß, der Gründlichkeit und Ordnung muß durch Erklärung,  Aufsicht, manchmal auch ein energisches Wort oder Wiederholung der Arbeit nachgeholfen werden. Bei allen Kindergruppen gibst Bettenbauer, kleine Wäschen, reichlich zu nähen und zu stopfen, denn die vielen Kinderbeine zerreißen schon was. Dafür können die Großen mit den Kleinen Spielen, sie beschäftigen, was für heranwachsende Mädchen naturgemäß die liebste Arbeit ist. Im Haupthaus wartet der Aufwasch, gleich so an die 100 Teller oder Becher – da kriegt man Übung -, immer soll ein großer Kessel heißes Wasser liefern, also Kohle ran und stochern! Und nicht zu vergessen die vielen Hände in der Nähstube!


Bild 9 (In der Nähstube) 

Da rattern 7 Nähmaschinen, trotzdem verschwindet der Berg auszubessernder Wäsche und Kleidung nie ganz. Alle Fliednerhausmädchen sitzen einige Wochen in der Nähstube still und lernen vom einfachsten Stich an alle Näharbeiten. So manche seufzt über Knopflöchern und Flicken. Wer geschickt ist, darf bei den neuen Sachen helfen; immer sind umfangreiche Bestellungen da: für eine Gruppe neue Schulschürzen, für ein andere Sonntagskleider, und dann wieder Ausstattungen für Pflegekinder –   da reißt der Faden eben nie ab! 



Um 8.15 Uhr hat,s schon wieder geläutet, zur Schule diesmal. Mit ihren Schulranzen und -taschen tritt die Garde der verschiedenen Jahrgänge an.

Bild 10 (Die Zwillinge als eifrige Schulanfänger)

Da stehen die i-Männchen, noch etwas hampelig, aber übereifrig; einer muß schnell noch einmal die Tafel rausziehen und nachsehen, ob die mühsam gemalten Buchstaben noch vorhanden sind. Gleich darauf erschallt aus beiden Klassenräumen ein Choral, oft wahrhaft aus vollem Herzen geschmettert, wen man ihn als Wochenlied gut gelernt hat. Und dann wird wie in jeder anderen Schule gerechnet, gelesen, gestöhnt und gelacht. Da gibt,s auch Tadel, Strafarbeiten und Nachsitzen, es gibt aber auch lustige Geschichten, Wettzeichnen, Lichtbilder, Schulfunk, fröhliche Turn- und Handarbeitsstunden. Eine Schulklasse hat erst nachmittags Unterricht, sie hat nun „Schrappen“, d. h. muß den Berg Kartoffeln für die ganze Belegschaft schälen. Da kann man Meister des Fachs bewundern ,so flott kann´s nicht die flinkste Hausfrau. Die vorschulpflichtigen Jungen und Mädel haben inzwischen vergnügt gespielt, gebaut, Perlen aufgezogen oder auch ihren ersten Spaziergang ums Grundstück gemacht. Wie schön, wenn Sonne und Wärme einladen zum Spiel auf dem Hof, der Wiese, im Sandkasten


Bild 11  (Rast auf dem Ausflug) 
Bild 12 (Gemüseputzen im Freien)

und auf den Wippen. So geht für alle der Vormittag schnell herum. Eine halbstündige Frühstückspause unterbricht die Arbeit und stärkt die Gemüter. Schon werden wieder die vielen Tische gedeckt zum Mittagessen. Nachher müssen die Kleinsten Ihr Mittagsschläfchen halten.


Im Laufe des Nachmittags wiederholen sich natürlich viele Arbeiten. Die großen Mädchen haben abwechselnd ihre Freistunde, stopfen Strümpfe, üben Blockflöte – die uns vom Landesjugendamt Münster geschenkten Flöten haben begeisterte Spieler gefunden – eine Reihe eigener Flöten wurde dazu erstanden. Die Schulkinder toben sich meist bei Ball– und Kreisspielen ein wenig aus. Eine Gruppe hat nun Schule. Im Sommer zu heiß? Mitnichten! Es läßt sich herrlich unter dem Kirschbaum rechnen und lesen, im Garten Naturkundestunde halten. Auch werden Wanderungen, Besichtigungen gemacht. Zu Hause ist noch manche Arbeit: Gemüseputzen, im Garten helfen. 


Bild 13 (Die schönste Stunde an heißen Tagen) 

Doch es bleibt auch noch Zeit zu einem erfrischenden  Waldspaziergang zu rechten Winter- und Sommerfreuden. 


Wir wollen noch einen kurzen Blick in das Büro, in das Zimmer der Leiterin und ihrer Hilfskräfte werfen. Da ist es erheblich leiser als in den Kinderräumen. Vielleicht keine Arbeit vorhanden? O doch! Wieviel Schreiberei muß täglich erledigt werden! Da rappelt das Telefon, da geht die Schelle der Anmeldung: Vertreter wollen gehört werden, Waren kommen an, an jeden Tag bitten etliche Bauern dringend um ein Mädchen als Arbeitskraft, Pflegeeltern unserer auswärtigen Kinder kommen zu Besuch, ein wandernder Geselle möchte einen Teller Essen, ein krankes Kind muß besucht und behandelt werden. Dann kommt ein dicker Stoß Post zur Durchsicht und weiteren Bearbeitung. Besorgungen in der Stadt, Verhandlungen mit Handwerkern sind notwendig. Sitzt die Leiterin endlich mal ruhig am Schreibtisch, kommt sicher jemand und will nur eben mal was fragen, oder ein kleiner Omnibus fährt vors Haus, kleine Purzel, einer nach dem andern quellen heraus mit Lachen und Weinen: ein Transport mit Neuaufnahmen! Gleich gibst Arbeit. Manchmal kommt auch ein großer Wagen mit Frauenhilfsmitgliedern, die dem Heim einen Besuch abstatten wollen. So geht´s den ganzen Tag. Also auch hier immer Hochbetrieb! Doch bleibt gelegentlich ein Viertelstündchen Zeit, sich von den Kindern auf dem Hof etwas Neues erzählen zu lassen oder ihnen Seifenblasen vorzumachen.
Bild 14  (Schwester Mathilde läßt Seifenblasen steigen)

Am Abend wird’s nach und nach stiller in der Gotteshütte. Gruppenweise ist an verschiedenen Wochentagen abends Andacht, am Mittwoch sogar Gottesdienst mit feierlicher Vesper-Ordnung, Samstag und Sonntag vereinen sich alle im großen Speisesaal zur Schlußandacht. Selbst die Kleinsten können da still sitzen und zuhören. Bald schläft das kleine Volk, die Schulmädchen versorgen getreu und gern ihre Ämter, im Fliednerhaus liest und handarbeitet man noch ein Stündchen, macht an sommerlichen Abenden Volkstänze oder spielt Völkerball. 


Da werden die Bequemsten flink und gelenkig, manche Köpfe auch hitzig, bis der letzte Kampf ausgefochten ist und Ruhe nach dem Sturm eintritt. Abendlied und gebet beschließen den Tag und lassen alle Einwohner der Gotteshütte unter dem Schutze des Herrn einen erquickenden Schlaf finden.

Wir feiern in der Gottehütte
 
Ein Jahr hat viele Tage, die gleichmäßig, ja oft eintönig mit viel Arbeit und Mühe verlaufen, die auch Erzieherinnen wie Kindern manche Enttäuschung, manchmal Weh und Ärger bringen. Wo wäre das anders? Der Mensch und ein Kind besonders brauchen aber Freude. Echte, natürliche Freude holen wir uns – Groß und Klein – bei unsern Festen. Geburtstag ist fast jeden Tag, und feiert und feiert auch nicht


Bild 15 (Volkstänze)

gleich das gesamte Heim mit, so ist´s für das kleine Geburtstagskind doch ein besonderer Freudentag, mit kleinen Geschenken, einem Lied nach Wunsch, einer kurzen Feier nachmittags. Wie glücklich zieht so ein Knirps mit dem ersehnten großen Luftballon über den Hof, wie eifrig wird auf der neuen Mundharmonika geübt, die kleine Handarbeit gleich begonnen. Ist eine Erzieherin Geburtstagskind, gibt´s vorher auf der Station Vorbereitungen, niedliche Basteleien zur Überraschung. Das Geheimhalten ist gerade so schwierig, wie bei Mutter zuhause. Hier der Aufsatz eines Schulmädels über dieses Problem: 


„Morgen feiern wir Geburtstag, da wird gekramt, getuschelt und versteckt, daß niemand davon etwas erfährt. In der Schule zeichnen wir so schön wie möglich ein Notizheft. Da dürfen keine Knicke und Kleck'se darin sein. Auf Station üben wir ein Lied, und oben in unsrem Tageraum sitzen zwei Kinder mit einer Bastarbeit in der Hand. Wenn die Erzieherin, die Geburtstag hat, kommt, ist nichts mehr zu sehen. Einmal hatte sie Wache, sie setzte sich in den Tagesraum zum Schreiben, da sah sie auf dem Tisch und Fußboden viele kleine Bastfäden liegen und konnte sich schon etwas denken. Gestern wollten wir das Lied nochmal üben, aber sie war uns immer im Wege. Da wurde sie einfach eingeschlossen.“ 
 
Natürlich wird der Geburtstag der Leiterin in besonderer Weise gestaltet, daran nehmen auch alle Heimbewohner teil, mit kleinen und 


Bild 16 (Elfenborn/Ortschaft)

großen Geschenken – manch mühevoll geklebtem Lesezeichen der Kleinsten, einem Gedicht, das mit hochrotem Kopf vor all den anderen aufgesagt wird. Man strengt sich schon an; dafür gibt’s am Nachmittag auch frischen Zuckerkuchen; und dazu gibt es viele herrliche Aufführungen auf der Bühne, die im Speisesaal errichtet wird. 


Ausflüge, näher und weiter, je nach Kraft und Größe der verschiedenen Kinderbeine bringen Frohsinn, Gesundheit, lassen Heimat und Landschaft kennenlernen. Dazu war der 1. Mai wie in diesem Jahr mit herrlichem Frühlingswetter ein prächtiger Tag Am Vormittag besuchten uns wie schon so manches Mal zur großen Freude die Posaunen. Sie haben in all den Jahren mit unermüdlichen Liedern treu zum Heim gestanden und werden von groß und klein viel geliebt. 


Ein Ereignis von dem lange vorher und noch lange hinterher alle Gotteshüttenkinder reden, ist der alljährliche Betriebsausflug mit Omnibussen. Wie besorgt wird der Himmel betrachtet! Nur ja kein Regen, wir wollen doch irgendwo im Freien Kaffee trinken, wollen im Walde spielen, Aussichtstürme ersteigen, alte Burgen besehen. Wenn mittags der erste Bus auf dem Hof die Kurve um die mächtige Linde nimmt, ist die Erregung aufs höchste gestiegen. Ob auch wirklich jeder seinen Platz darin findet?


Ein Lied der Kinder spricht die Freude in Versen aus: 

„Wer denkt nicht gern an Sommertage, 
Wenn alles sprießt und grünt und blüht, 
Beim Ausflug man vergißt die Plage, 
Und keiner ist mehr faul und müd´. 
Die Herzen alle höher schlagen, 
Und Klein und Groß ist voller Lust. 
Wer will die Fahrt mit Bus nicht wagen 
Und singen hell aus freier Brust. 
Verladen wird das Volk in Scharen, 
Viel Brot und Kuchen packt man ein; 
Mit Jauchzen wird dann abgefahren 
Ins schöne Weserland hinein. 
Die Kaffeetische sind bereitet,
Das Schmausen hebt nun fröhlich an. 
Gekräftigt in den Wald man schreitet,  
Zur Aussicht drängt sich jeder ran. 
So kommt der Abend schnell gegangen, 
Voll Freud´man in das Auto steigt. 
Viel Sonnenschein ist eingefangen. 
Im Hof ein Lied den Dank anzeigt.“

Nach beendeter Ernte versammeln sich alle zur Erntedankfeier. Der geräumige Speisesaal ist mit bunten Herbstblumen geschmückt, unter der Erntekrone präsentieren sich die größten und dicksten Früchte aller Arten. Mit Lied, Wort und Gebet bringen wir den rechten Dank für die von Gott geschenkten Güter dar. Wahrhaftige Berge von saftigem Pflaumenkuchen laden zu frohem Schmaus ein. Ein Singspiel oder Volkstanz draußen erfreut Spieler und Zuschauer.


Die kirchlichen Feste des Jahres werden selbstverständlich vor allem gefeiert, zur wahren Freude und gleichzeitig zur eindrücklichen Vertiefung des Lebens Jesu, das uns als Christen Wegweiser durch das eigene Leben sein soll. Der Morgen des 1. Adventssonntags vereinigt alle – 


Bild 17 (Die Weihnachtskrippe)

auch die Allerkleinsten – zur Andacht bei Kerzenschein. Auf jedem Platz liegt ein Tannenzweig mit Adventssternchen, dazu die ersten Weihnachtsplätzchen. Jubelnd erschallt „Macht hoch die Tür“, und mit den vielen schönen Advents- und Weihnachtsliedern, die von früh bis spät in allen Häusern erklingen, mit vielerlei heimlichen Zurüstungen, mit Raten und Wünschen geht es dem Weihnachtsfest entgegen. Da stehen dann wieder alle um den riesigen Weihnachtsbaum. Die Kerzen leuchten, noch strahlender leuchten all die Kinderaugen. 


Die große alljährlich aufgebaute Krippe veranschaulicht den Kindern von Weihnachten durch die Epiphaniaszeit den Gang der Weihnachtsgeschichte und hinterläßt bei allen einen unauslöschlichen Eindruck. Wie mancher Erwachsene besuchte schon das Heim, in dem er einst seine Kindheit verbracht, und wollte gern noch einmal die Krippe sehen, an der das Weihnachtsfest so besonders schön war. Zur Bereicherung der langen Weihnachtstische helfen die vielen freundlichen Spender der Weihnachtsgaben, denen herzlicher Dank gesagt sei für das Verständnis an unserer Arbeit und für die Liebe zu unseren Kindern. Sind die Gaben für jedes einzelne Kind auch nur bescheiden, so erleben wir doch jedes Jahr wieder lauter fröhliche und zufriedene Menschenkinder, denen wir wünschen, daß sie von dem Weihnachtslicht der Krippe recht viel Leuchtkraft mit hinausnehmen möchten in ihr späteres Leben. 


Die Ostertische haben ein anderes Gesicht mit den ersten Frühlingsblumen, dazwischen für jedes Kind ein Körbchen mit süßen Eiern; die buntgefärbten Eier muß man freilich suchen im Garten und Wald.
Für die großen Schulkinder ist die Feier der Konfirmation ein Höhepunkt ihres Heimaufenthalts. Die Konfirmandinnen, meist 15 bis 20, laden ihre Angehörigen dazu ein. An diesem Tage sind sie allein der Mittelpunkt, die Empfänger herzlicher Segenswünsche. Die Einsegnung ist inmitten der Dorfgemeinschaft in der Kleinenbremer Kirche. In der Gotteshütte erwartet sie ein großer Gabentisch und eine festlich geschmückte Tafel. Mit dem Besuch erleben sie bei Erzählen, Musizieren und Singen einen unvergeßlichen ernst-frohen Tag. 


Gelegentlich ist auch für das Jubiläum eines langjährig tätigen Menschen im Heim – 20, sogar 40jährige Dienstjubilare hatten wir schon – Anlaß zum Feiern, zum gemütlichen Beisammensein mit lustigen Liedern und Versen. Auch Hochzeitspaare sah die Gotteshütte in ihren dazu feierlich gestalteten Räumen. 


Als letztes wollen wir das Jahresfest nicht vergessen, das alljährliche Stiftungsfest der Gotteshütte, das uns viel Freunde und Gönner des Heims herführt. Sie nehmen mit uns am Festgottesdienst 


Bild 18 (Sterntaler-Reigen)
Bild 19 (Hochzeitsspiel)

in der Kirche teil; nachher zeigen ihnen die Kinder mit großem Eifer kleine Theateraufführungen. Theaterspielen ist so wunderschön, und viel leichter zu lernen als Schulaufgaben!
Dieses Jahr feiert die Gotteshütte nun den 100. Geburtstag. Das ist schon ein Ehrentag, den wir mit allen Besuchern dankend und fröhlich begehen wollen.


Feste verbinden die Gemeinschaft, erheben durch die lange Vorfreude aus dem grauen Alltag, verschönern und bereichern durch die Erinnerung spätere Lebensjahre.
 D. Haring.


Nun lassen wir die Festschrift hinausgehen, und ich grüße alle, die sie lesen mit dem herzlichen Wunsch, daß sie es spüren möchten, daß Gott der Herr seinen Segen in all den Jahren zu dieser Arbeit gegeben hat. Ihm gebührt unser Dank für alle Gnade und Hilfe, die er uns hat zuteil werden lassen. Es ist mir aber auch ein Bedürfnis, all meinen treuen Mitarbeitern zu danken, die mir in den 20 Jahren meines Hierseins zur Seite gestanden haben. Und bei meinem Abschied aus der Gotteshütte ist das mein letzter Wunsch, daß Gott der Herr fernerhin seine Gnade walten lasse über diesem Hause und ich befehle alle, die hier ein und aus gehen, der Treue unseres Vaters im Himmel.


" Von Gottes Händen wunderbar geborgen
erwarten wir getrost was kommen mag,
Gott ist mit uns am Abend und am Morgen
und ganz gewiß an jedem neuen Tag. "
Schwester Mathilde.
Anmerkung: Auf die zahlreichen Originalabbildungen wurde wegen der mangelnden Bildqualität verzichtet. 
Hamburg, den 8. Juli 1991 M. Zielke
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Der Name "Gotteshütte" kommt von dem Bibelwort an der Außenwand der Halle:
"Siehe da, die Hütte Gottes bei den Menschen." (Offenbarung 21,3).
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Überarbeitet: Hamburg, den 11. März  2009 M. Zielke 

Innengiebel Gotteshütte         
Aussengiebel Gotteshütte

















Modell Gotteshütte             
Heimleiter D. u. Ehemalige 

Die Bilder zur Gotteshütte wurden im Frühjahr 2009 aufgenommen. Weitere Bilder und Geschichten zur Gotteshütte werde ich nach und nach auf diesem Blog veröffentlichen. In Planung ist eine Datenbank zur Gotteshütte. Ich bitte alle Interessenten und auch Ehemalige mit mir Kontakt aufzunehmen, und mir ihre Informationen zur Verfügung zu stellen. 

Ferner biete ich an,  die Kommentarfunktion und meine Mailadresse  mfd.zielke@googlemail.com zu nutzen. Das Haus Gotteshütte, besser gesagt der Gebäudekomplex,  blickt bis zum heutigen Zeitpunkt auf eine nunmehr 157jährige Geschichte zurück und hat es verdient,  in der Öffentlichkeit entsprechend gewürdigt zu werden.

M. Zielke den 05. November 2010.
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Kommentare:

Wahrhaftig hat gesagt…

Die Heimerziehung der 50er- und 60 Jahre war nicht am Wohlergehen der Kinder ausgerichtet. Die tradierten Werte aus der Zeit des Nationalsozialismus, Zucht und Ordnung und Abhärtung, waren immer noch zu spüren. In den konfessoionell betriebenen Heimen wurde keine Rücksicht auf die Religionszugehörigkeit genommen, und so wurde so manches Kind zwangschristianisiert.
Einen großen Teil der schlimmen Zustände in den damaligen Heimen ist aber auch bei den einweisenden Behörden festzumachen, die ihrer Aufsichtspflicht nicht genügend nachkamen und so manchesmal die bestehenden Gesetze willkürlich anwendeten. Soviel in Kürze.

M. Zielke

Wahrhaftig hat gesagt…

Korrektur Kommentar 1

Die Heimerziehung der 50er- und 60 Jahre war nicht am Wohlergehen der Kinder ausgerichtet. Die tradierten Werte aus der Zeit des Nationalsozialismus, Zucht, Ordnung und Abhärtung, waren immer noch zu spüren. Schläge und Strafen waren Bestandteil der Erziehung. In den konfessionell betriebenen Heimen wurde keine Rücksicht auf die Religionszugehörigkeit genommen, und so wurde so manches Kind zwangschristianisiert.
Einen großer Teil der schlimmen Zustände in den damaligen Heimen ist aber auch bei den einweisenden Behörden festzumachen, die ihrer Aufsichtspflicht nur genügend nachkamen, und so manchesmal die bestehenden Gesetze willkürlich anwendeten. Soviel in Kürze.

M. Zielke

Anonym hat gesagt…

gibt es nur diese eine seite?

Wahrhaftig hat gesagt…

Ihr Kommentar vom 27. Oktober 2010

Ja, momentan gibt es nur diese eine Seite, die ja eigentlich aus mehreren Seiten besteht. Und doch finde ich es schon interessant, aber auch bedrückend, was man für Vorstellungen von Heimerziehung hatte, zumal wenn sie noch christlich motiviert war. Ich empfehle die Seite mehrmals zu lesen, weil dann immer wieder neue Einzelheiten auftauchen.

Sobald ich technisch versierter bin, werde ich mehr Material zur Verfügung stellen. Für den Anfang muß es so erst einmal gnügen. Haben Sie Dank für ihre Nachfrage.

M.Zielke

Haus3 hat gesagt…

Hallo Wahrhaftig,
ich finde Ihre Seite berührend und anrührend, sie macht mich zugleich traurig und wütend!
Vielen Dank für Ihre Zeit, Ihre Mühe, Ihren Mut, Ihren Willen, immer und immer wieder Öffentlichkeit herzustellen.
Ich würde diese Seite gern mit der unseren (VEH e.V.) verlinken, wenn es Ihnen Recht ist.

H. Dettinger

Wahrhaftig hat gesagt…

Ihr Kommentar vom 2. November 2010

Hallo Frau Dettinger,

haben Sie Dank für Ihren Kommentar.
Natürlich dürfen Sie gerne zum VEH e. V. verlinken, es ist mir sogar eine Ehre.

Wie Sie wissen ist mein Interesse an der Gotteshhütte auch stark historisch motiviert, und ich würde mich freuen, wenn es letztlich mal zu einem wissenschaftlich orientierten Buch über diese Einrichtung käme. Dazu will ich einen kleinen Beitrag leisten, indem ich auf diesem Wege Öffentlichkeit herstelle.

Ich weiß aber auch, dass die heutigen Erziehungsgkonzepte mit denen von damals nicht zu vergleichen sind, und es wird nach meinem Wissen vorbildliche Arbeit geleistet. Trotzdem ist es gut immer wieder an die Vergangenheit zu erinnern, damit die heutigen Erzieher sich ihrer grossen Verantwortung bewußt bleiben.

Dieser Blog wird nach und nach erweitert, und darum bitte ich Sie oder Interessierte immer mal wieder vorbei zu schauen.

Herzliche Grüße

Manfred Zielke

Anonym hat gesagt…

Lieber Manfred, ich gratuliere Dir zu Deinen Blog, der ja mit der Festschrift zum 100 jährigen Jahresfest der „Gotteshütte“ beginnt und uns hoffentlich noch viele neue Informationen mit der Zeit liefern wird. Die Festschrift ist insofern interessant, weil sie schon deutlich macht, welche Vorstellungen von Erziehung die damalige Zeit enthielt. Wie diese Erziehung umgesetzt wurde, haben wir beide ja in der Gotteshütte erlebt. Ich finde es immer noch eigenartig, dass Kinder die wir damals waren, in einem Heim waren, dass unter dem Begriff „Erziehungsheim“ bestand, also kein klassisches Kinderheim war.
Ich wünsche Dir noch eine weitere erfolgreiche Recherche, mögen noch viele weitere interessante Informationen über die Gotteshütte zusammen kommen.

Liebe Grüße Oerni

Wahrhaftig hat gesagt…

Hallo Oerni

die Festschrift legt Zeugnis von der Geburtsstunde der Gotteshütte ab, so wie der ersten 100 Jahre. Das ist eine lange Zeit und währenddessen gab es gesellschaftliche Umwälzungen, wie sie niemand hätte vorhersehen können. Ein stück weit läßt sich dies nachverfolgen in dem Buch "Frommes Volk und Patiroten" und dem darin vorkommenden Aufsatz von Ulrich Rottschäfer. Aber während die Festschrift und der Aufsatz von Ulrich Rottschäfer überwiegend ein warmes wohltuendes Licht auf das damalige Rettungshaus und Erziehungsheim wirft, gab es sicher auch eine andere Seite, und darüber ist in den öffentlichen Verlautbarungen doch recht wenig bekannt. Da gibt es nach meiner Ansicht große Lücken, die der Aufklärung bedürfen. Das betrifft sowohl die ganz schlimme Zeit während des Nationalsozialismus, als auch die nicht so weit zurückliegende Jahrzehnte der Nachkriegszeit.

Aber ich möchte noch einmal zum Ausdruck bringen, dass es mir um die Gesamtlaufzeit der Gotteshütte geht, gesehen im historischen Kontext, und weniger, aber nicht ohne Mitleid ,um die gegenwärtig aktuelle Debatte über die Heimerziehung - bin ich doch selbst davon betroffen.

Herzliche Grüße
M. Zielke

Anonym hat gesagt…

Herzliche Glückwünsche Herr Zielke zur Erschaffung dieses Blogs.Möge er dazu beitragen, in der grossen Debatte über Methoden and Ziele der früheren Heimerziehung, Licht an das dunkle Kapitel unserer Geschichte zu werfen.Die Historiker haben es bisher verfehlt oder sind einfach unwillig diese Zeit aus der richtigen Perspektive zu beurteilen.
Nochmals viel Erfolg.

Wahrhaftig hat gesagt…

Ihr Kommentar vom 19. November 2010 12:30

Haben Sie recht herzlichen Dank dafür.

In Fachkreisen gibt es schon die eine oder andere Veröffentlichung zum Thema Heimerziehung in den 50er- und 60er Jahren, so jüngst eine Studie im Auftrag des LVR (Landschaftsverband Rheinland), und auch der LWL (Landschaftsverband Westfalen-Lippe) stellt im Dezember in Münster eine Studie zum gleichen Thema vor.
Dennoch halte ich es für wichtig auch auf die Zeit des Dritten Reiches hinzuweisen, die ja eigentlich die Voraussetzung für die schlimmen Nachkriegsjahre in der Heimerziehung war. Da muß in meinen Augen noch viel Aufklärungsarbeit geleistet werden, auch wenn es darum geht den täglichen Alltag in der damaligen Zeit zu beschreiben. Gerade zur Gotteshütte habe ich in den letzten Tagen viele Einrichtungen und Institutionen angeschrieben, um der Aufklärung Vorschub zu leisten. Leider habe ich bisher kaum eine Antwort erhalten, aber ich werde das Ziel weiter verfolgen, dass es zu einer Dokumentation oder gar zu einem Buch über die Gotteshütte im Dritten Reich kommt, als Teil einer Gesamtgeschichte.

Herzliche Grüß
Manfred Zielke

Anonym hat gesagt…

Danke sehr an den Webmaster.

Gruss Nanna

Wahrhaftig hat gesagt…

Ihr Kommentar 29. November 2010 11:17

An Nanna,

recht herzlichen Dank für Ihre Stellungsnahme. Leider sind meine Blogkenntnisse sehr unzureichend, und deswegen habe ich auch noch nicht mehr veröffentlicht, aber es gäbe noch sehr viel über das damalige Erziehungsheim "Gotteshütte" zu erzählen, und ich hoffe darauf, genügend Informationen zusammen zu bekommen. Allerdings möchte ich strikt trennen zwischen dem was vor vielen Jahrzehnten alles geschehen ist, und dem, was die "Gotteshütte" heute leistet.

MfG M. Zielke

Anonym hat gesagt…

Ich bedanke mich bei allen die da zu beigetragen haben, das sich die Zustände der 50er und 60er Jahre in der Gotteshütte positiv verändert haben. Doch vergessen wir nicht das Leid , was viele Kinder dort erleben mussten. ein ehemaliger Bewohner der Gotteshütte (1952 - 1965)

Wahrhaftig hat gesagt…

Ihr Kommentar 15. Dezember 2010

Sehr geehrter Anonymus,

recht herzlichen Dank für ihren Kommentar. Es ist durchaus möglich, dass wir zusammen in einer Gruppe in der Gotteshütte bei der Erzieherin Frl. Ehelebracht waren, gemeinsam zur Schule gingen bei der Lehrerin Frl. Keßler, vielleicht sogar befreundet waren. Mich würde es freuen, wenn Sie sich mal unter meiner mail persönlich bei mir melden würden. Die damalige Zeit hat es ja nicht zugelassen Freundschaften und dergleichen aufrecht zu erhalten. Ich sichere Ihnen Diskretion zu.

Herzliche Grüße

Manfred Zielke

Anonym hat gesagt…

awesome blog, do you have twitter or facebook? i will bookmark this page thanks. peace maria

Wahrhaftig hat gesagt…

Yes Maria, I have Facebook and Twitter. Thank you for your comments and Merry Christmas. My English is bad.
M. Zielke

Wahrhaftig hat gesagt…

Hi Maria, my name is on Facebook Manfred Zielke, my name is on Twitter Warhaftig. Again, Merry Christmas.
M. Zielke

Anonym hat gesagt…

I really like your blog and i really appreciate the excellent quality content you are posting here for free for your online readers. thanks peace klara.

Wahrhaftig hat gesagt…

Antwort auf 26.12.2010

Hi Clare,

Thanks Clare for the big compliment. I am glad if you liked my blog. My English is bad, and I use the Google translation from German to English. Review from time to time in my blog, because I have to tell you much. If you have friends and girlfriends, feel free to forward link to the story further, because I'm looking forward to all readers.
Many, many thanks and good night.

M. Zielke

Anonym hat gesagt…

J'aime vraiment votre article. J'ai essaye de trouver de nombreux en ligne et trouver le v?tre pour être la meilleure de toutes.

Mon francais n'est pas tres bon, je suis de l'Allemagne.

Mon blog:
Regroupement De Credit aussi Rachat de credit ficp

Anonym hat gesagt…

Thank you everyone for a great day of factual information sharing... need to tweet this post..

Anonym hat gesagt…

auch ich war dord. von 1958-1968. in der gruppe von mimi elebracht. es waren keine schöne jahre die ich dord war!!!! habe fiel leit ertragen müssen.

Manfred Zielke hat gesagt…

Vielen Dank für Ihren Kommentar. Fräulein Ehlebracht, so sagte man damals, war auch meine Erzieherin von der Einschulung an, bis zum Ende des dritten Schuljahres. Meine Lehrerin in der Schule hieß Frau Keßler.

Manfred Zielke