Sonntag, 7. April 2013

14. "Katharina" erzählt aus ihrem Leben

Altentreptow im späten Mittelalter. Quelle Wikipedia


Geschichten aus der Kindheit



Geboren bin ich in Altentreptow. Eine kleine Stadt, aber zu DDR-Zeiten eine Kreisstadt in Mecklenburg-Vorpommern. Mit der Stadt hatte ich recht wenig zu tun, besser gesagt, gar nichts, außer einem 14tägigen Krankenhausaufenthalt, welchen ich einer Schulhofprügelei verdankte, bei der ich mir eine Leberprellung zuzog. Da war ich gerade 10 Jahre und musste nun meinen 11. Geburtstag ohne Torte und Feier im Krankenhausbett verbringen. Übrigens war es ein Klassenkamerad, der zum Haken ansetzte und mich ausnockte - er hieß, sagen wir mal Horst. Aber wie wurde ich denn elf Jahre, und was habe ich wohl in meiner frühen Kindheit erlebt? 

(Der Name der Erzählerin wurde geändert, um ihre Identität  zu schützen. Sie lebt nunmehr in Berlin und schreibt sukzessive ihre interessanten und unterhaltsamen, aber manchmal auch traurigen Erinnerungen auf). 

Nach meiner Geburt bis zu meinem 3. Lebensjahr, lebte ich sehr behütet und liebevoll umsorgt in einem winzigen Dorf an der Tollensee. Eine einfach paradiesische Gegend für Kinder, und zu der es mich als Erwachsene immer wieder hinzog. Der Wald, die Luft, das Wasser, die Ruhe, und trotzdem gab es da einen Abenteuerspielplatz, dem ich nicht widerstehen konnte. Nun, ich war also Zuhause. Wir wohnten in einem Schulhaus. Unsere Räumlichkeiten waren die zwei ehemaligen Unterrichtszimmer, plus einem überdachten Eingang. An viel kann man sich später wegen des Alters nicht mehr erinnern, aber eine Begebenheit ist mir sehr in Erinnerung geblieben. Sicher wegen des Schmerzes, der mir zugefügt wurde - an Schmerzen erinnert man sich immer - wage ich mal zu behaupten.
Ich muss so knapp drei Jahre alt gewesen sein, denn meine Schwester, genannt Schneewittchen oder später Zigeunerin, war noch nicht geboren. Jedenfalls spielten mein großer Bruder Berti und ich im "Haus", mein Papa war beim Holz hacken - ich höre das Geräusch noch heute in meinen Ohren, wenn ich zurück denke. Ob meine Mutter in unserer Nähe war, oder auch draußen, kann ich nicht mehr sagen. Das ist mir, aus welchen Gründen auch immer, oder weil ich sie nicht mit Schmerz verbinde, entfallen. Spiel, spiel..., Berti kommt plötzlich auf die Idee, Momse (so hießen bei uns Bonbons) aus dem Schrank zu holen. Ja klar will ich auch welche. Berti schien tatsächlich zu wissen, wo man sie findet, nämlich im Kleiderschrank unserer Eltern, ganz oben im Fach. Er kletterte auf die unteren Einlegebögen, und hangelte sich so nach oben. Als er seinen Fuß auf das dritte Brett stellt, und mit der Hand das oberste Fach erreicht, beginnen plötzlich die Bretter zu kippen, und der Inhalt des oberen Faches fiel auf meinen Bruder, welcher dabei selbst runter fiel. Das muss ein gewaltiges Getöse gewesen sein. Wir aber freuten uns über die bunten Momse, welche zwar schwer aus dieser verflixten Umhüllung gingen, jedoch trotzdem in unseren Mündern landeten. Geschmeckt haben sie gar nicht - nicht wie Momse. Auf einmal flog die Zimmertür auf, und mein Papa stand wie ein böser Waldgeist über uns. Er brüllte schrecklich laut und fuchtelte mit dem Armen. Irgendwie war auch meine Mutter da, und nun versuchten sie mit ihren riesigen Fingern, unserer wirklich hart erkämpften Momse aus unseren Mündern zu bekommen. Wie lange kann man als Zwerg schon den Mund zukneifen? Die nicht gerade schmackhaften Finger meines Vaters wühlten schließlich in meinem Mund, und mir wurde so was von übel!  Nachdem dieses unangenehme sich übergeben vorbei war, bekam ich so schrecklich schmerzende zwei Schläge auf mein nacktes Hinterteil, dass ich so laut ich konnte schrie. So schrie, dass mir der Hals nun nicht nur vom Übergeben schmerzte. Mein Po brannte, ich wusste nicht, wie ich ihn halten sollte, und lief im Zimmer herum. Dann packte mich mein Vater und setzte mich auf den Nachttopf und drohte, falls ich aufstehen würde, mir noch was hinten drauf zu hauen. Aua, tat das weh, aua, warum hat er das gemacht? Er war doch mein lieber, lieber Papi, der schmust und kuschelt und singt, und mit mir am Arm im Kreis tanzt. Das ist nicht schön, und ich bin traurig, und heule und heule. Berti sitzt ganz bedröppelt auf seinem Thron, und schaut mich irgendwie mitleidig an. Ja, du Bruder du. Wegen der Momse, die nicht mal geschmeckt haben, tut mir nun der Po so schrecklich weh!  Langsam schrammelt Berti mit seinem Pott zu mir rüber, legt seine Arme um mich, und knutscht mich - iih, hör auf. Aber das sag ich nicht, sonst nimmt er ja seine Arme weg. So saßen wie eine gefühlte Ewigkeit, bis meine Mutter uns endliche erlöste, und wir dann mit nach draußen durften. Fein brav auf einer Decke sitzend, sahen wir Papa beim Holzhacken zu. 
Da hören meine Erinnerungen auf. Bis zu meinem 20. Geburtstag hatte  ich die Sache völlig verdrängt. Es passierten auch zu viele andere Dinge, bis es zu einem Erinnerungsauslöser kam. Meine eigene Tochter war schon geboren und eineinhalb Jahre. Sie lief wie immer wie ein rasender Blitz durchs Wohnzimmer, ohne auf irgendetwas zu achten. Lass sie doch, dachte ich mir so, wenn sie sich stößt, wird sie schon aufhören. Dann hörte ich plötzlich ihr Gebabbel und Gebrumme nicht mehr. Das kann nichts gutes bedeuten. Mir fiel die Wäsche, welche ich zu legen im Begriff war, aus der Hand, und ich lief ins Wohnzimmer. Da sah ich die Bescherung. Meine Jule stand am Tisch, und steckte sich gerade eine aufgepulte Zigarette in den Mund! Tausend mal habe ich zu meinem Mann gesagt:: "Lege bitte deine Zigaretten oben in den Schrank, die Kleine kann sich damit vergiften!!"  
Nun war es passiert, oder fast passiert. Schnell versuchte ich das Zeug aus ihrem Mund zu bekommen. Dann schleppte ich sie ins Bad und spülter ihren Mund, immer mit den guten Worten: "Bitte spuk aus, und schluck nicht runter, mach es wie beim Zähneputzen!" Nicht leicht, aber leicht verliert man die Geduld, wenn es nicht so geht, wie man es sich wünscht. Ich hob meine Hand und war im Begriff, ihr richtig eine auf den Po zu geben, da spürte ich irgendwie einen Schmerz, eher einen brennenden Schmerz auf meiner hinteren Region, und mir schoss plötzlich die Situation meiner frühen Kindheit durch den Kopf. Es war wie ein rasende Bilder mit Blitzen. Meine Hand blieb oben, und ich ließ mein Julchen los. Ein Schamgefühl ergriff mich, und mir kamen die Tränen. Was zum Teufel wollte ich da tun? Ich kann doch das kleine liebe Wesen nicht verhauen! Und was war da plötzlich in meinem Kopf! Julchen weinte, und schaute mich groß mit ihren blauen Kulleraugen an. Auf einmal musste ich sie ganz fest an mich drücken und nur festhalten: "Mama hat dich lieb. Nein Mama wird dich nicht verhauen." Zu real ist der Schmerz, den ich aus der eigenen Erinnerung spüre. "Aua Papa, aua, das tut doch ganz doll weh ...du hast mich doch lieb?" 
Schließlich schnappte ich mir meine Maus, und rannte die zwei Treppen nach oben zu dem Kinderarzt, der in unserem Haus wohnte. Er beruhigte mich erst mal, und sah der Jule in den Mund. Naja, die Tabakreste waren fast alle raus, und er mischte Salzwasser zurecht, und flößte es der Kleinen ein. Sie übergab sich so sehr, dass sie mir schrecklich leid tat, aber das Zeug musste schließlich raus. und so war sie im Endeffekt auf den Doktor böse, und für Mama blieb die Liebe.
Mir gingen die Bilder von dem hauenden Papa nicht mehr aus dem Kopf (das blieben leider nicht die letzten Schläge, welche ich von ihm bezog). Es war das erste mal, dass ich mich daran erinnerte, und ich musste wissen, was damals genau passiert war! 
Zu dem Zeitpunkt hatte ich mal wieder ein entspanntes Verhältnis zu meinen Eltern, und durfte sie besuchen - durfte?, welche Gnade. Jedenfalls, da sie nicht weit von mir entfernt wohnten, und Jule und ich einen Spaziergang gebrauchen konnten, machten wir uns auf den Weg. Julchen wollte nur getragen werden und knutschte immerzu mein Gesicht ab, und fragte ständig: "Mama lieb?, Mama lieb?". "Ja, Mama ist lieb mein Schatz..."  
Bei meinen Eltern gab es gleich Kaffee und Kuchen, und für Julchen eine dicke Scheibe Salami - ihre Lieblingsspeise. "Oma, Lami haben" - das konnte sie gut. Meine Mutter sprang immer gleich. Schließlich nahm ich allen Mut zusammen, und sprach meine Eltern auf meine Erinnerungen an. Sie waren völlig verduzt, dass ich mich daran erinnern konnte. Wieso so plötzlich fragten sie, und ich erzählte, was Zuhause vorgefallen war. Die Bestätigung der Richtigkeit erfolgte und die Auflösung, warum die Momse nicht schmeckten. 
Im oberen Fach des Schlafzimmerschranks befanden sich Medikamente und mein Bruder musste wohl mal gesehen haben, dass Papa sich da was rundes, buntes raus genommen, und in den Mund gesteckt hat. Tja, für Berti sah es aus, als ob da die begehrten Momse lagen. So nahm das Unglück seinen Lauf. 
"Papa, warum hast du mich so doll gehauen? Ich spüre den brennenden Schmerz auf meinem Po, wenn ich daran denke..."! 
"Kind, ich wusste mir nicht anders zu helfen, es kam einfach so, ich kannte es doch selbst nicht anders". 
"Deshalb hast du mich gehauen? Verstehe ich nicht - du hast mich so oft in meinem Leben richtig verprügelt! Das weißt du doch, ich jedenfalls vergesse es nicht..."! 
"Ach Mädchen, höre doch auf mit den alten Kamellen. Das ist doch schon alles so lange her"! "Was? Lange her? Ich habe noch mit achtzehn Prügel von dir bezogen! Jetzt bin ich zwanzig! Was bitte schön ist da lange her"! 
"Mädel, wenn du dich nur streiten willst und in alten Dingen kramst, kannst du gehen! Wir wollen unsere Ruhe. Du kannst gern mit der Kleinen wieder kommen, wenn du dich beruhigt hast. Vielleicht solltest du mal zum Nervenarzt gehen"! 
"Jetzt bin ich es aber satt. Na danke, ihr lieben Eltern, komm Julchen. Wir gehen noch spazieren, bisschen Lokomotive gucken, ja?" 
Jetzt wusste ich als, was damals genau passiert war, und konnte trotzdem nicht verstehen, warum mein Vater mich wegen jeder Kleinigkeit verprügelt hat.  Weil er selbst im Waisenheim groß geworden ist, ständig von irgendwelchen Erziehern oder Pflegeeltern verprügelt worden war? Muss man da nicht gerade selbst den Schmerz spüren, wenn man Hand an sein Kind legt? Ich verstehe nicht, und habe es bis heute nicht verstanden. Mein Julchen hat nie Schläger bekommen, keinen Klaps, keine Ohrfeige, kein Ohren lang ziehen. Sie sollte meinen Schmerz nie spüren müssen. Zu weh tuen mir heute noch die Erinnerungen und der Schmerz.  
Mein Vater ist schon lange tot. wir haben uns am Sterbebett ausgesöhnt. Nie vergesse ich seine flehenden Augen, als ich mich zum letzten Mal von ihm verabschiedete. Als ob er mir sagen wollte, - verzeihe mir! Ich habe seine Beerdigung organisiert, und ihm einen schönen Abschied bereitet. Es ist mir nicht gelungen, sein Sterbedatum, das Datum seiner Beerdigung, sowie auch sein Geburtsdatum zu behalten. Aber an die Schläge und die Schmerzen - daran kann ich mich erinnern, und das tut immer noch weh. Ich habe meinen Vater nie auf dem Friedhof besucht. Der Tag der Beerdigung war ein Abschied für immer! 

(Sonntag 07.04.13. wird fortgesetzt)  
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Schöne Tage - aus dem Bericht meiner Mutter


Immer noch wohnen wir in dem kleinen hübschen Dorf an der Tollense. Das Wort „Tollense“ kommt aus dem Slawischen -Dolenzia- und bedeutet Talniederung.

Nun war mein nächster Bruder geboren, ja Piet war da. Ich selbst erinnere mich nur an ein kleines, schreiendes, glatzköpfiges und sehr dickes Ding, was wohl so gar nicht richtig in den Kinderwagen passte und ich es deshalb immer dort raus nehmen wollte. Also Piet war ein Moppel und die Welt in Ordnung. Oft besuchten wir unsere Großeltern, welche auch in dem Dorf wohnten. Der Weg zu ihnen kam mir immer wie eine Ewigkeit vor, was sicher den kurzen Kinderbeinen zugeschrieben werden muss. Bruder Berti war der Eierdieb in unserer Familie. Wenn wir bei den Großeltern an kamen, stürzte er auf kürzestem Weg zum Hühnerstall, zum Leidwesen meiner Oma, und sammelte noch vorhandene Eier ein.Wo deponierte er sie wohl auf seinem "Raubzug"? Wenn es warm war, hatte er so eine kurze Spielhose mit Latz an, an dem sich oben eine kleine Tasche befand. Klar, da müssen die Eier rein und ab ging es über den Hof zur Omaküche. Wer stolperte nur zu oft über seine eigenen Beine, weil es nicht schnell genug ging? Also war der Eiermatsch immer vorprogrammiert und niemand wunderte sich noch wirklich darüber. Nur Berti, ja der war jedes Mal wieder völlig außer sich und schrie wie am Spieß - nachdem er aufgestanden war. Ich hingegen war eine Schmusekatze. Auf jeden Schoss der sich mir bot nahm ich Platz und überhäufte meine "Sitzgelegenheit" mit Knutschereien. Wer konnte mir schon was verwehren. So hübsch blond mit meinen graugrünen Augen und so artig. Zu gern blieb ich auch da sitzen wo man mich hinsetzte bis ich abgeholt wurde. Vielleicht hab ich damals schon für später "vorgesessen", denn ich wurde eine ziemliche Wanderin.

Aber auch die schönste Zeit geht mal zu Ende.
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  Kindergarten oder die Pubertät der Vorschulkinder


Ich fand mich wieder in einem anderen Dorf. Nicht weit von der Tollense, aber wenn man so klein ist, ich war fünf Jahre, dann ist es eine Weltreise. Jetzt bekamen wir schon wieder ein schreiendes Ding, aber es sah anders aus. Es hatte schwarze Haare! Das Schneewittchen war geboren. Zu der Zeit lag sogar noch Schnee und ich war so ein Dummbatz, dass man mir eh "Alles" erzählen konnte. "Oh, wir haben ein Schneewittchen" gab ich am ersten Tag im Kindergarten an, in dem ich ab nun musste. Nur keiner glaubte es mir .Also musste ich mir etwas anderes einfallen lassen um Aufmerksamkeit zu bekommen. Erst versuchte ich es mit vorlautem Geplapper, dann mit Rumgeheule wegen jeder Kleinigkeit. Nix, die ollen Tanten waren nur sauer auf mich und erteilten mir "Karussellverbot". Na das geht ja mal gar nicht, kommt mir aber seeehr gelegen. Ich glaub mich hatte der Teufel geritten, denn ich rannte tatsächlich in das sich drehende Karussell! Dann war es passiert. Ein Schlag an den Hinterkopf streckte mich nieder. Natürlich hab ich geschrien wie verrückt. Tat ja schließlich schrecklich weh!

Die Kindergärtnerinnen kamen gerannt und zerrten mich wieder auf die Beine. Böse Kathi, böse!

Oh sie blutet! Na das ist doch mal ein richtiger Grund, um noch lauter zu brüllen. Aua, aua - nur zu blöd, dass es meine eigene Schuld war. Jetzt hatte ich zwar die gewünschte Aufmerksamkeit aber konnte sie nicht genießen. „Hoffen wir,dass sie daraus gelernt hat!" Der Spruch kam während meiner Kindergartenzeit noch öfter. Auch trieb ich das "Karussellspiel" weiter, nur war es beim nächsten mal die Schaukel. Ich rannte einfach frontal rein und wollte das schaukelnde Mädchen da runter holen, damit ich endlich auch mal kann.Tja, es gab einen Hieb gegen die Stirn, Kathi lag und schrie und wie kann es anders sein - es floss Blut. Zu meiner Bescherung zeichnete sich schon schnell ein Horn ab und so musste ich nun rumlaufen. Natürlich kam wieder das berühmte "böse Kathi böse". Meiner Mutter war das ziemlich peinlich und am Abend gab es von Papa statt Kuscheleinheiten einen "Satz heiße Ohren". Da konnte die Beule auf der Stirn noch so groß sein, er kannte keine Gnade. Na gut, war ja meine Schuld und Papa mochte eben nicht, wenn ich die Familie blamiere.

Nein, ich war nicht nur eine Rüpelin. Wenn es ein mal in der Woche zur "Lern- und Bastelstunde" kam, brillierte ich mit meiner schnellen Auffassungsgabe und der Umsetzung. Das bereitete mir eben Freude. Und ich wurde wirklich sehr gelobt. Ja, da war die Aufmerksamkeit, nach der ich so suchte. Gern ließ ich meinen Kopf und meine Wangen tätscheln. Da fühlte ich mich wieder wie die geliebte Kleine auf Oma´s Hof. Wie hatte ich das vermisst.

Leider gab es von den Eltern immer weniger Kuscheleinheiten und meine Mama sah so komisch aus mit dem dicken Bauch in ihrer blauen Latzhose.

Meine Eltern arbeiteten in einem Kuhstall. Papa bei den großen Kühen und Mama bei den süßen, duftenden Kälbchen.

Ja, ein neues Baby war unterwegs.

Zu der Zeit wusste ich natürlich noch nicht, was das mit dem dicken Bauch meiner Mutter auf sich hatte. Es sah eben nur komisch aus. Nun, nach einem Tag wie jedem anderen im Kindergarten, stand mein Vater in unserer kleinen Küche und erzählte uns freudestrahlend: "Der Klapperstorch hat Mama in´s Bein gebissen und hat ein neues Baby da gelassen. Sie kommt damit bald nach Hause."
Wieso freut sich Papa, wenn der Storch Mama gebissen hat?! Das ist ja wohl nicht schön und tut bestimmt mächtig weh.Vielleicht blutet es ja sogar wie bei mir am Karussell oder der Schaukel! Warum ist Papa nicht wütend auf den Storch und haut dem eine auf den Po? Bei mir hat er das doch auch gemacht! Na das Baby kann was erleben. Meine arme, arme Mama. Ich war sehr traurig und ließ mich nicht von Papa drücken.

Jetzt waren wir also fünf Kinder. Das neue Baby hieß Isabell und hatte auch schwarze Haare - aber es war eben nur ein neues Baby!

Mit jedem neuen Baby verliert man die Eltern immer mehr. So kam es mir jedenfalls vor. Das Baby kriegt alles und für mich blieb nur der böse Blick, die Kopfnuss, die lang gezogenen Ohren, der Klaps auf den Po und das Angebrülle. "Wieso bringen die immer neue Babys mit? Ich bin doch auch noch da und außerdem, wieso muss ich jetzt mit "Schneewittchen" in einem Bett schlafen?! Habt ihr mich jetzt nicht mehr lieb?"

(Dienstag 28.05.13, soll fortgesetzt werden - leider habe ich nichts mehr von Katharina gehört. Ich will doch hoffen, dass es ihr gut geht)
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Kommentare:

Anonym hat gesagt…

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Liebe "Katharina",

Sie haben eine *erzählerische Begabung, und ich hoffe darauf, bald wieder eine weitere Geschichte von Ihnen veröffentlichen zu können. Es ist schon sehr interessant, wie Sie ihre Kindheit damals erlebt haben, und wie Sie heute damit umgehen. Die Sorge ihrer Eltern ist für mich nachvollziehbar, gerade was die Momse (Tabletten) angeht, nur die pädagogischen Mittel sind heute nicht mehr zeitgemäß, waren damals aber alltäglich.

*Die Erzählung wurde von mir sozusagen eins zu eins inhaltlich und stilistisch wiedergegeben. Lediglich in formalen Dingen habe ich mir erlaubt, die eine oder andere notwendige Korrektur vorzunehmen, etwa wenn ich den Dialog mit dem Vater am Ende der Geschichte durch Anführungszeichen hervorgehoben habe.

Ich wünsche Ihnen weiterhin viel Erfolg, und eine breite Leserschaft.

Manfred Zielke

Manfred Zielke hat gesagt…

Hallo Katharina,

die kleinen Geschwister sozusagen als Konkurrenten zu sehen, ist durchaus üblich und weit verbreiteter, als man denkt, auch in sogenannten normalen bürgerlichen Familien. Dazu gibt es auch entsprechende Hinweise und Erläuterungen in der Fachliteratur. Als Kleinkind mag es einem wie Liebesentzug vorkommen, und zum Teil ist es ja auch so, weil eben die Liebe der Eltern geteilt (aufgeteilt) werden muss.
Auch ich als älterster (Jahrgang 1948)von meinen zahlreichen Geschwistern, habe, wenn auch unbewusst, schmerzlich diese Erfahrung machen müssen. So wurde mein Bruder Peter 1950 und meine Schwester Hildegard 1951 geboren.

Schön, dass Sie sich noch so gut an ihre Kindheit und so manchen Begebenheit erinnern können. Bei mir gibt es auf diesem Gebiet, wahrscheinlich auch durch traumatische Ereignisse, nur noch ein Schwarzes Loch. Eine richtige Erinnerung habe ich erst seit ungefähr dem fünften Lebensjahr.

Aber fahren Sie fort mir ihren Erzählungen aus ihrem Leben. Vielleicht helfen Sie ja dem einen oder anderen Menschen, auch den Mut zu fassen, die eigene Vergangenheit zu bewältigen und aufzuarbeiten. Dann stehe ich gerne mit meinem Blog zur Verfügung.

Gruß Manfred

Katharina hat gesagt…

Hallo Manfred,
erstmal danke für deinen Kommentar. Als Kind sieht man ja natürlich die Welt mit anderen Augen und ich hab mich wirklich schwer getan, meine Erinnerungen an meine eigentlich gute Kindheit zu zulassen. Ich bin noch immer am Gedanken sortieren und es stürmen beim schreiben immer mehr Erlebnisse auf mich ein.
Es geht hoffentlich für euch Alle hier spannend weiter...Über eure Kommentare würde ich mich sehr freuen. Vielleicht merkt der Eine oder Andere welch Schalk ihm selbst als Kind im Nacken sass und möchte seine Anekdoten mit uns teilen.
Dir, Manfred, wünsche ich gesundheitlich nur das beste und hoffe du bleibst mir noch lang erhalten.
Dein schwarzes Loch ist sicher zu deinem Schutz da. Es erspart dir Schmerz - ich hätt auch manchmal gern eines gehabt aber dazu später mehr.
Liebe Grüsse Kathi