Samstag, 21. März 2015

21. Gotteshütte - Erziehungsbogen Manfred Zielke

Einleitung


Bevor ich (Jahrgang 1948) 1953 im Alter von vier Jahren in die Gotteshütte verbracht wurde, lebte ich mit meinem Bruder Peter (Jahrgang 1950), meiner Schwester Hildegard (Jahrgang 1951), sowie meinem Bruder Egon (Jahrgang 1953) bei den Eltern und teilweise auch bei den Großeltern in Gladbeck.

Da unsere Eltern nicht in der Lage waren, das Sorgerecht an uns Kindern in angemessener Weise auszuüben, traf das Jugendamt Gladbeck die Entscheidung, uns in Heimen unterzubringen. Zunächst waren es Heime in Gladbeck und Bottrop, später entschied man sich, Peter und mich in die gut 200 Km entfernte Gotteshütte nach Kleinenbremen zu verbringen. Als Grund wurde angegeben, dass im Marthaheim in Gladbeck nicht genügend Platz vorhanden sei. Der wahre Grund dürfte jedoch ein anderer gewesen sein, welches ich nach Aktenlage in Erfahrung bringen konnte. So sollen uns die Eltern aus den Heimen in Gladbeck und Bottrop bei Besuchen der Heimaufsicht entzogen haben, es war sogar von Entführung die Rede.

Meine Geschwister Hildegard und Egon verblieben im Marthaheim in Gladbeck, des weiteren mein Bruder Rainer, der ebenfalls im Jahre 1953 am ersten Weihnachtstag in Gladbeck geboren wurde, und sofort nach der Geburt in einem Säuglingsheim aufgenommen wurde. Wo sich dieses Säuglingsheim befand, und ob es dem Marthaheim angegliedert war, konnte ich nicht mehr in Erfahrung bringen. Beim Jugendamt oder Gesundheitsamt Gladbeck dürfte es darüber vermutlich keine Unterlagen oder Akten mehr geben. Hier der Link zum Erziehungsbogen.
Hier ist er als PDF-Datei

Anmerkung zu den Großeltern: Meine Großmutter hat 1950 in zweiter Ehe geheiratet (erste Eheschließung 1930). Ihr erster Mann, Karl Otto Zielke, wurde 1942 von den Nazis in Bernburg (Sachsen-Anhalt) vergast, weil er vereinfacht dargestellt, als unwertes Leben eingestuft wurde. Ende 1940 wurden meine Großeltern in Konzentrationslager verbracht. Der Großvater in das KZ Sachsenhausen, und die Großmutter in das Frauen KZ Ravensbrück. Die Großmutter wurde nach einigen Wochen entlassen, aus welchem Grund ist mir nicht bekannt.

Anmerkung zu den Eltern: Sie haben ebenfalls 1950 geheiratet. Mein Vater wurde wegen Kindesmisshandlung verurteilt, wie ich einer Akte zu meinen Geschwistern entnehmen konnte. In dem Zusammenhang erfuhr ich vor einigen Jahren, dass er mich zum Lügen abgerichtet hat. So sollte ich in einem Tabakladen auf Pump einkaufen gehen, und sagen, dass es für die Großmutter sei. Zuvor stellte er ein Kontrollfrage. „Für wen sollst du die Zigaretten einkaufen?“ Wenn ich antwortete für ihn, also für den Vater, soll er mich geohrfeigt haben, dass ich das Gleichgewicht verlor, und zu Boden fiel. Erst nach dem mir eine Tante diese Geschichte erzählte, wurde ich meine Einschlafstörungen los, die mich bis dahin oft überfallartig befielen, und wofür ich und keine Erklärung fand. Vermutlich handelte es sich um eine posttraumatische Belastungsstörung.

An meine Mutter habe ich nur eine folgende vage Erinnerung: Zuletzt wohnten wir in einer Barackenunterkunft in Gladbeck, die im Volksmund Pampashonigheim genannt wurde. An einem grauen verhangenen Sommertag fuhr morgens ein Auto mit zwei oder drei Männern vor, wovon mindestens einer ein Polizist war. Nun sollten wir endgültig den Eltern entzogen werden. Verzweifelt klammerte ich mich an einem Stuhl fest, aber gegen den Polizisten hatte ich keine Chance. Von da an war jede Erinnerung an meine frühe Kindheit erloschen. Ein nicht mehr rückgängig zu machender Gedächtnisverlust (Amnesie) hatte von mir Besitz ergriffen.
Ein Erinnerungsvermögen habe ich erst ungefähr seit meiner Unterbringung in der Gotteshütte. Allerdings weiß ich nicht, wie ich dort hingekommen bin. Die intensive Beschäftigung mit der Vergangenheit hat bei mir ca. im Jahre 1985 eingesetzt und sich in den letzten Jahren verstärkt.


Wer sich für Erziehung, im besonderen für die Heimerziehung interessiert, möge bitte mein Blog besuchen.

Der Gotteshüttenblogger zu Kleinenbremen


Zum Erziehungsbogen sei noch folgendes gesagt:

Es handelt sich überwiegend um einen Beurteilungsbogen, wo Fähigkeiten aber auch Charaktereigenschaften im Vordergrund stehen. Auch wird vieles wiederholt, so dass ich den Eindruck gewann, dass die Beiträge sehr oberflächlich geschrieben wurden, und dies nicht von den Erziehern selbst, sondern von einer Bürokraft. Es wurde sozusagen nach meinem Verständnis von den zuvor gemachten Einträgen abgeschrieben. Lange habe ich gezögert, diese mich ganz persönlich betreffenden Aussagen zu veröffentlichen. Nun aber bin ich zu dem Entschluss gekommen, dass es sich um ein Zeitdokument, bezüglich der Erziehungsvorstellungen der 50er Jahre handelt.
Hier also mein Erziehungsbogen, der im Kern lediglich nur dreieinhalb DIN A4 Seiten lang ist.


Hamburg, den 21. März 2015

Kommentare:

Margot Stewart hat gesagt…

Leider habe ich nicht mehr so viele erinnerung. Ich war in Detmold geboren das zeighet ja meine Gurtsurkunde. Dann meine Mutter und ich waren in Wengern. Ein Haim fuer Mutter und Baby.Angeblich ist meine Mutter davon wegegangen und hat mich da gelassen. Das habe ich erst sehr viel speahter heraus gefunden.Wie ich zur Gotteshutte gekommen bin habe ich keine ahnung.
Von Margot

Margot Stewart hat gesagt…

Ich habe nicht mehr viel erinnerung an Gotteshuette. Von meiner Gurturkunde weis ich das ich in Detmold geboren bin. Speatere erkundigung habe ich heraus gefunden das meine Mutter mit mir in Wengern in einen Heim nur fuer Muettern und Babys war. Angeblich ist sie dann abgehauen ohne mich. Ich weiss nicht wie ich zur Gotteshuette gekommen war.Ich war ungeahr 8-9 Jahre alt wenn ich dann zu den Pflege Eltern gekommen war. Sehr speahter in meinen leben (war dann schon in England) habe ich dann versucht heraus zufinden wo meine Eltern waren. Davon habe ich dann herausgefunden das ich noch 10 Geschwistern hatte und das alle damals in Alsleben lebten was damals in Ostdeutschland war. Meine Eltern angeblich waren damals von east zu west Germany gefluechtet. Geschwistern dagelassen. Keiner hatte gewusst das ich geboren was.Ich war die einzige in west germany geboren. Meine Mutter stard wenn ich 14 Jahre alt war. Keiner weiss wo Vather war.

Gruss Margot

Manfred Zielke hat gesagt…

Hallo Margot,

vielen Dank für deine Kommentare. So wie dir ist es ganz vielen ehemaligen Heimkindern ergangen. Ich beschäftige mich ja schon länger mit dem Thema Heimerziehung, und oft sind es zumeist sehr traurige Geschichten.
Aber ich habe den Eindruck, dass es dir jetzt doch relativ gut geht, mal abgesehen von deiner Krankheit, von der du mal erzählt hast.
Ich wünsche dir alles gute und einen schönen Gruß aus Hamburg nach England, wo du ja schon länger wohnst.
LG Manfred